Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394276
84 EIN GRUNDPROBLEM DES KUNSTGEWERBES. 
 
Stoffes der Umstand herausstellen, daß das Geflecht in 
seinen Bestandteilen viel feiner wird, als es bei dem Vor- 
bilde der Fall gewesen ist: damit ist aber eine rauschende 
Nachbildung von vorneherein ausgeschlossen. Wäre das 
Flechtwerk des Vorbildes ein sehr dichtes gewesen, so 
bliebe die allzugroße Schwere bestehen; es wird sich also 
als weitere Folge ergeben, daß das Geflecht ein lichtes 
wird: die Natur des Stoffes erzwingt sich die Nachgiebig- 
keit der Form. Wäre aber auch das Vorbild ein lichtes 
Geflecht gewesen, so triite die Natur des Stoffes in seiner 
formumbildenden Kraft dennoch gleichfalls in der Ver- 
feinerung des Flechtwerkes hervor. 
Die Metalltechnik bietet aber zur Nachahmung auch 
andre Mittel, welche der Natur des Metalles vielleicht noch 
besser entsprechen: das Gießen und das Schmieden. In 
beiden Fällen wird an Stelle des Gellechtes die Wandung 
treten, und falls das Geflecht, auch hier der größern Leich- 
tigkeit wegen als lichtes, beibehalten werden soll, so wird 
eine Durchlöcherung eintreten, welche die freien Stellen 
des Gellechtcs andeuten soll. Damit fällt aber das für 
das Geflecht natürliche Durchschlingen der Flechten weg, 
die Wandung bewahrt dieselbe Ebene, und die Durch- 
löcherung, die nun nicht mehr Folge der konstruktiven 
Beschaffenheit ist, wird ornamentales Element. Damit ge- 
winnt sie eine große Freiheit. Sie kann zu Figuren zu- 
sammentretemwelche bei der Technik des Flechtens gar nicht 
oder nur sehr schwer zu erreichen gewesen wären: die 
Natur des neuen Stoffes hat die nachgiebige Form zu ihr 
zusagenden Bildungen gezwungen und gelangt dadurch auf 
Bahnen, welche der ursprünglichen Form verschlossen 
waren. Sehr schön zeigen diesen Fortgang die metallenen 
Siebe oder Durchlässe, welche an Stelle der geflochtenen 
getreten sind, und deren Durchlöcherung infolge der Natur 
des neuen Stoffes diesem entsprechend umgestaltet und 
dadurch ornamental behandelt wird: in ihrem praktischen 
Zwecke wird sie hierdurch nicht gehindert. 
Nun soll das Körbchen in Thon nachgebildet werden. 
Die Bildsamkeit des Stoffes ließe die genaue Nachahmung 
sehr wohl zu; allein die Gebrechlichkeit des gebrannten
        

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