Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394244
EIN 
GRUNDPROBLEM 
DES 
KUNSTGEWERBES. 
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Stoff im Kunsthandwerk seine konstruktive und damit 
maßgebende Bedeutung niemals: die Schöpfung des Kunst- 
handwerkes ist stets als Gebrauchsgegenstand gedacht. Für 
den Gebrauch wählt man aber bei der Herstellung des 
Gegenstandes denjenigen Stoff, welcher aus irgend einem 
sachlichen Grunde für den Gebrauch als der geeignetste 
erscheint, und die Umbildung des Stoffes hat zunächst nur 
die Gestaltung zum Ziele, in welcher die Eigenschaften, 
um derentwillen gerade dieser Stoff gewählt worden ist, 
am besten zur Geltung kommen. Soll nun noch ein bild- 
künstlerisches Element hinzutreten, so darf dies keinen 
höheren Anspruch erheben, als daß es die in dem Stoffe 
vorhandenen und durch die Bearbeitung zu praktischer 
Verwendung gebrachten Eigenschaften auch für die Er- 
scheinung lebendig rnacht. Den Steif töten aber heißt es, 
wenn das bildkünstlerische Element den Stoff hinter der 
Form verschwinden läßt. 
Eine noch schlimmere Ausartung ist es, wenn der 
Stolfwechsel, welcher ursprünglich die künstlerische Form 
geschahen hat und in welchem ein unerschöpilicher Quell 
für die Fortbildung der Form enthalten ist, statt sich mit 
der bildkünstlerischen Form zu begnügen, in möglichst 
geistloser Weise den einen Stoff einfach an Stelle des 
anderen treten läßt, damit der neue Stofi als solcher nicht 
erkannt werde. Es liegt im Wesen aller Kunst, daß ihre 
SChöpfungen das, was sie darstellen, nicht wirklich sind, 
Sondern nur zu sein scheinen: was wirklich das ist, was 
EIS zu sein scheint, ist Natur. XVill nun eine Kunstschöpfuug 
als das wirklich gelten, was sie zu sein scheint, ohne es 
doch zu sein, so täuscht sie, indem sie das Bewußtsein 
von ihrer Bildlichkeit aufhebt: je mehr es ihr gelingt, 
diese Täuschung zu erreichen, urn so geringer ist ihre Be- 
deutung als Kunst, die in dem Augenblicke ganz ver- 
schwindet, in welchem die Täuschung erreicht wird. Wird 
ein Holzkästcheti, etwa ein Nähkästchen, als Lederkoiier 
gestaltet, sodaß Kasten, Riemen und Schnallen zwar Holz 
sind, aber durch ihre Erscheinung für das Material gelten 
müssen, welches sie nur nachahmen, so ist in dem Augen- 
blicke, in welchem die Täuschung, erreicht wird, auch jene 
VEIT Vatsunu. 6
        

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