Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über Kunst, Künstler und Kunstwerke
Person:
Valentin, Veit
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392977
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1394232
KUNSTGEWERBES. 
DES 
80 EIN GRUNDPROBLEM 
stattfinden. Dies kann aber nur aus der Erkenntnis des 
Wesens eines jeden der beiden Bestandteile entstehen. 
Verhältnismäßig leicht ist dies bei der das Bildliche ge- 
staltenden Form. Sie muß immer erkennbar bleiben, so- 
lange sie ihren Zweck erreichen soll; sie kann daher nur 
soweit nachgeben, als es die Erkennbarkeit ihrer Natur ge- 
stattet. Viel schwieriger aber ist es bei dem Stoffe, dem 
Träger der Form. Auch bei ihm muß die Eigenart seines 
Wesens bewahrt bleiben: er muß als der Stoff, der er ist, 
erkannt werden, und es darf ihm, um die Form wieder- 
zugeben, nichts zugemutet werden, was seiner Natur 
widerspricht. Diese liegt aber nicht auf seiner Oberfläche, 
welche zudem für die fremde Form in Anspruch genommen 
wird: sie liegt in seinem Innern, in der Art seines Wachs- 
tums, seiner Existenz, seiner wesentlichen Eigenschaften. 
Es entsteht hieraus die sehr schwere Aufgabe, sich in die 
Natur des Stoffes hineinztifühlen: wenn er, der tote, nun 
lebendig und gleichsam mobil werden soll, um in neuer, 
ihm ursprünglich fremder Form ein neues Dasein zu 
gewinnen, so muß dies so geschehen, daß damit zugleich 
seine innerste Natur zur Erscheinung kommt. Dies aber 
wird sich darin äußern, daß er die nachgiebige Form zu 
einem Eingehen in seine Bestrebungen zwingt. Die 
Fähigkeit, diese innerste Natur eines StoHes als etwas 
Lebendiges nachzufühlen, hat früher als eine naive Fein- 
fühligkeit bestanden: sie besteht in der heutigen Mensch- 
heit im großen und ganzen als solche nicht mehr, sie muß 
gelernt werden, und zwar sowohl von denen, welche 
schaffen, als auch von denen, welche genießen. Sie muß 
es aber, weil der Stoff im Kunsthandwerk eine weit größere 
Bedeutung hat als sonst in der Bildkunst. Ist nämlich das 
Kunsthandwerk, soweit es bildliche Formen benutzt, zur 
Bildkunst zu rechnen, so besteht dennoch zwischen ihm 
und dem, was man im engeren Sinne Bildkunst nennt, 
gerade in bezug auf die Bedeutung des Stoffes ein wesent- 
licher Unterschied. Während bei der Bildkunst im engeren 
Sinne der Stoff in der That weiter nichts ist, als das nicht 
zu umgehende Mittel der Formgestaltung, für sich aber 
keine selbständige Bedeutung beansprucht, so verliert der
        

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