Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392691
ändern, insbesondere müssen sie wie bei aufgerichteter Stellung 
sich stets Geraden unterordnen, die zur Hauptbewegungslinie 
senkrecht stehen, ein Bedingnis, das auf der inneren Seite der 
Beugung eine grössere oder geringere Verkürzung der Einzelteile 
zur Folge hat. Das Naturgemässe dieser zur Axe senkrecht 
stehenden Geraden können wir uns an1 besten vergegenwärtigen, 
wenn wir bei seitwärts gestreckten Armen den Körper nach links 
oder rechts neigen. 
Fig. 19. Eine mit weisser Farbe auf braunrotem Grund 
aufgemalte Verzierung eines unter einem vulkanischen Auswurf 
auf Thera gefundenen Gefässes. Die Blütenstaude, frei von allem 
Schematismus, scheint unmittelbar der Natur nachgebildet zu sein. 
Die Formengleichheit der Blüte mit dem ägyptischen Volutenkelch 
schliesst durchaus nicht das Bekanntsein des Vasenmalers mit den 
Dekorationen des Nillandes in sich, vielmehr liegt die Vermutung 
nahe, dass, entgegen der Goodyearschen Thorie, der Volutenkelch 
in keinem Zusammenhange mit der Lotosblume stehend, in der 
frühen Zeit der orientalischen Kunst ohne nachweisbaren Ursprung 
allenthalben zur Verwendung kam. Auffallend ist es immerhin, 
dass in der ganzen mykenischen Kunst weder eine Lotosblume 
noch ein Volutenkelch in getreuer ägyptischer Form nachzuweisen 
ist, und dass die in Ägypten beliebte Reihenordnung von Blüte 
und Knospe hier nirgends hervortritt. Die letztere fehlt überhaupt 
der mykenischen Dekoration gänzlich und ebenso auch die bedeut- 
samen Seitenzäpfchen des Volutenkelches; auch die Blume mit 
bogenförmigem Abschluss ist unbekannt und die am Nil so 
häufig gebildete Blatthülse des Blütenkelches findet sich nur ein 
einziges Mal angedeutet in der tiryntischen Zwickelfüllung. So 
scheint, Alles in Allem genommen, sich die Kenntnis des myke- 
nischen Malers über die ägyptische Dekorationsweise nur auf die 
Verzierungen kleinerer Dinge, wie Parfümlöffel und sonstiger 
Utensilien erstreckt zu haben, Verzierungen, die entgegen der 
monumentalen Dekoration mehr den Naturformen sich anlehnten 
(Siehe Titelbild). Schljesslich sei noch als ein nicht unwesentlicher 
Umstand bei Beurteilung der ganzen Sachlage auf die assyrischen 
Blumenreliefs aus Korsabad (bei Rawlinson) aufmerksam gemacht, die 
unzweideutig in Blüte, Knospen und Blättern sich als Lilien darstellen.
        

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