Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392678
dem Rande der Halsbemalung und geben, sich bogenförmig um- 
wendend, dem Blatte eine Aufwärtsstellung. Der Farbenton des 
Napfes ist mattgelblich, die Verzierungen braun. 
Fig. 17. Ein Kelch, der seine Form einem Metallgefässe 
entlehnt hat. Der dünne und hohe Fuss breitet sich unten zur 
Gewinnung einer sicheren Standiiäche sc-heibenartig aus und geht 
oben in einen niedern, aber sehr breiten Bauch über, der behufs 
leichten Gebrauches, ohne Schulter und Hals, am Rande seine 
grösste Breite erreicht. Die schön geschwungene Kontur des 
Gefässes steigt vom Fuss bis zum Rand ohne jede Unterbrechung 
auf. Zwei Henkel führen aus dem Rande, sich etwas über diesen 
erhebend, zur Mitte des Bauches. Die äussere Kontur derselben 
fliesst in die des Gefässes über, ebenso die innere beim obern 
Ansatze, nicht aber beim untern, wo die Gefässwand geschnitten 
wird. Den Bauch ziert ein Polyp, dessen abwärts gerichteter 
Kopf sich in der Mitte zwischen den Henkeln befindet und teil- 
weise in den Fuss noch hineinragt. Zwei grössere und zwei 
kleinere, dem Kopf entwachsende Fangarme sind symmetrisch 
zu beiden Seiten angeordnet. Die einen derselben führen in 
grossen Windungen bis zu den Henkeln, die andern kehren nach 
kurzer Seitwärtsbewegung zur Mitte wieder um. In der ersten 
Windung der grossen Arme sind die Augen des Tieres ringartig 
angedeutet. 
Ein in den mykenischen Burggräbem von Schliemann ge- 
fundener, ebenso geformter Goldkelch zeigt in getriebener Arbeit 
zwei wild dahinjagende Löwen, Tiere, deren Darstellung der 
asiatischen Kunst am geläuiigsten war und in dieser auch am 
vorzüglichsten gebildet wurden.  Die Löwenjagd war zur Dar- 
legung ihrer Kraft und ihres Mutes eine Lieblingsbeschäftigung 
der Herrscher Asiens seit den urältesten Zeiten. In ihren grossartig 
angelegten Gärten hielten sie sich in Gruben oder Käiigen stets 
eingefangene Löwen, und es konnte den Künstlern ein Leichtes 
sein, Form und Bewegungen dieser Tiere ihrem Auge einzuprägen, 
In der ägyptischen Kunst tritt der Löwe ebenfalls in einer der 
Natur abgelauschten Darstellung auf, doch ist diese ungleich 
seltener, als in den Euphratländern. Den mykenischen Gold- 
schmieden konnte der Löwe nur aus Nachbildungen bekannt sein.
        

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