Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392655
anschliessen? lst es doch völlig ausgeschlossen, dass weder in 
den chaldäischen Tempeln, noch in den altgriechischen Fürsten- 
häusern ein unverziertes, glattes Metallblech zur Verwendung kam, 
und wenn die griechische Verkleidung ihren Ursprung in der 
asiatischen hat, so müssen auch ihre Dekorationselemente mit 
derselben in Verwandtschaft stehen. ln der assyrischen Kunst, 
die uns erst vom 9. Jahrhundert an bekannt ist, iindet sich 
allerdings das Spiralmusterl) nicht vor, es ist aber keineswegs 
ausgeschlossen, dass sich aus der Spirale das Hauptelement der 
assyrischen Kunst, das Flechtband, entwickelte und jenes bei der 
grösseren Schwierigkeit seiner Darstellung mit der Zeit ausser 
Gebrauch geriet. In Ägypten War das Flechtband unbekannt, die 
mykenischen Maler wandten beide Formen an, die Spirale sehr 
häufig, das Flechtband nur "in sehr vereinzelten Blällen. 
Eine hervorragende Verzierung tritt in der eine Lotosblüte 
oder eine Palmette darstellenden Zwickelfüllung der ägyptischen 
Spirale auf, die ausserhalb dieses Landes nur noch in Orchomenos 
und Tiryns nachzuweisen ist, hier aber in einer Formveränderung, 
die jede direkte Nachahmung ausschliesst. Dass das in Frage 
kommende Vorbild, wie vielerorts angenommen wird, in der Textil- 
kunst zu suchen sei, ist höchst unwahrscheinlich, da die mykenischen 
Füllungen dem Stile dieser Kunst geradezu entgegen stehen. Anders 
verhalten sie sich zu den metallgetriebenen Arbeiten. Das Orna- 
ment von Orchomenos zeigt, besonders in der Angabe der kleinen 
Blättchen, fast die gleiche Bildung von Palmzweigen, wie sie uns 
auf _den Goldzieraten ungemein häuiig entgegen tritt. Auch der 
schuppenartige Fächer hat die meisten Analogien in der Metall- 
technik. Irgend welche Schlussfolgerung bezüglich der Herkunft 
all dieser Darstellungen erscheint jedoch in jeder Hinsicht gewagt, 
und Ohnefalsch-Richter trifft jedenfalls das Richtige, wenn er 
im Gegensatz zu andern, die in Ägypten den Urquell aller Kunst- 
entwicklung suchen, sagt: „Ägypten gab und nahm von Babylon 
und umgekehrt. Ja, zuweilen dürfte es schier unmöglich werden, 
zu entscheiden, wer zuerst von beiden der Gebende und wer der 
fach 
1) D. h. die fortlaufende 
in Verwendung. 
Spirale. 
Die 
einzelne 
Spirale 
kam 
viel-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.