Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392644
Dasselbe kennen wohl auch andere, abseits stehende Völker, doch 
zeigt sich in jenen Ländern in Form und Anordnung der Spirale 
eine so grosse Übereinstimmung, dass eine getrennte Ausbildung 
hier ausgeschlossen erscheint. 
Wie und wo die Spirale entstanden ist, verliert sich im 
Dunkel der Zeit. Flinders-Petrie (Kahun, Gurob and Hawara) weist 
sie auf Königs-Siegeln schon in der 4. Dynastie (4000-3800) 
nach. Auf chaldäischen Cylindern, die Hommel bis ins 5. Jahr- 
tausend zurüekdatiert, trägt der löwenbezwingende Heros lange, 
zu den Schultern herabfallende und hier in zwei grosse Spiralen 
aufgerollte Haarstränge  ein Motiv, das in äusserst sorgfältiger 
Behandlung die ganze nachfolgende asiatische Kunst beibehält 
und das in freierer Bildung auch in der ältesten griechischen 
noch fortbesteht. 
Weitaus am häufigsten tritt die Spirale als Zierde von Metall- 
gegenständen auf, besonders dominiert sie auf diesen in der vor- 
historischen Kunst nördlich der Alpen, wo sie sonderbarer Weise 
niemals als Verzierung auf Thonvasen Verwendung fand. Sie 
wurde entweder auf den Metallblechen mit dem Punzen von 
rückwärts herausgetrieben oder auch, wie es fast stets im Norden 
der Fall war, mit scharfen Werkzeugen auf der Vorderseite der 
Utensilien haarscharf eingeschlagen. 
Gemalt findet sich die Spirale in den Gräbern des neuen 
ägyptischen Reiches, auf dem Rest einer tiryntischen Wand- 
Verkleidung und auf den mykenischen Thongefässen. Dass sie im 
alten ägyptischen Reiche eine besondere Rolle gespielt hat, ist 
kaum anzunehmen, denn sie fehlt den ältesten Architektur-denk- 
mälern vollständig 1) und bildet auch in ihrer leichtiiüssigen Form 
den grössten Gegensatz zu den starren, geradlinigen Dekorationen 
dieser Zeit. Eine andere, allerdings unlösbare Frage ist die, ob 
die alten Chaldäer auf den Metallbekleidungen der Holzdecken 
und der Thürpfosten ihrer Tempel, deren Herstellung sich schon 
die ältesten Herrscher rühmen, nicht spiralartige Muster zur An- 
wendung brachten. Sollten nicht die Säule vom Atreus-Schatzhause 
und die Decke in Orchomenos direkt an diese Kunstübung sich 
1) Meines Wissens findet sich 
Kunst (Lepsius) nicht eine einzige 
im grössten 
Spirale. 
Werke 
über 
die 
ägypt,
        

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