Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392637
raumtrennend oder umschliessend, Verwendung finden. Hierzu 
erwies sich aber die mykenische Pflanzen-Malerei nichts weniger 
als geeignet und musste dem einfachen geometrischen Bandwerk 
und dem in Assyrien zur Vollendung gelangten, in allen Künsten 
gleich gut verwendbaren Lotosornament weichen. Trotzdem darf 
aber der weitgehende Einfluss der mykenischen Malerei nicht 
unterschätzt werden: sie erregte den Kunstsinn des Volkes und 
bereitete, das individuelle Arbeiten herausfordernd, den Boden für 
die nachfolgende glänzende Kunstepoche Griechenlands. 
Furtwängler nimmt für die Vasen mit F irnissmalerei, die in 
Technik, Form und Ornamentik vollständig mit einander überein- 
stimmen, einen einzigen Fabrikationsort an, den er in die nächste 
Nähe von Mykenä verlegt. Brunn glaubt, dass auch bei einem 
verhältnismässig regen, Verkehr kaum ein so weites Gebiet, wie 
es die Verbreitung der Gefässe aufweist, von einem einzigen, 
nicht einmal im Mittelpunkt gelegenen Orte aus mit einer so 
geringwertigen Ware versorgt worden sei, deren Herstellung bei 
einfacher Übertragung der Handwerksüberlieferung von einem 
Ort zum andern keiner Schwierigkeit unterworfen sein konnte. 
Ein Gefäss bedarf seiner besonderen Form wegen und seines 
nur auf diese Epoche beschränkten Vorkommens eigne Erwähnung. 
Es ist dies die sogenannte „Bügelkanne", die kugelförmig ge- 
staltet, oben mit einem kleinen Cylinder versehen ist, von dessen 
Ende zwei Henkel nach der Gefässchulter ablaufen. Der sehr 
enge und hohe Ausguss befindet sich auf der Schulter in der 
Mitte zwischen den Henkelansätzen. Zwei solcher Vasen, die im 
Grabe Ramses Ill. (1180-1150) abgebildet sind, zeigen eine rein 
geometrische Verzierung, wie sie sonst auf mykenischen Vasen 
nicht gebräuchlich ist. Verschiedene Bügelkannen wurden von 
Flinders-Petrie in Unterägypten ausgegraben; die Fundverhältnisse 
beweisen, dass sie ungefähr aus der Zeit des Königs Amenhotep III., 
also um 1400 v. Chr. stammen (Journ. of Hell. Std. X1). Kannen 
mit seitwärts belindlichem Ausguss waren schon im alten Reiche 
gebräuchlich. 
Tafel 8. In der Kunst des Morgenlandes, wie in der vor- 
historischen des Abendlandes ist eine, meistens bandartig fort- 
laufende Verzierung, das Spiralmuster, von grösster Bedeutung.
        

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