Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392620
sich seine Figuren zuerst in geraden, hauptsächlich den Mittellinien 
der Körperteile entsprechenden Strichen vor und arbeitete, an 
diesen beginnend, mit spitzen Instrumenten und solchen, die durch 
Drehung eine kugelförmige Höhlung erzeugten, die Figur aus dem 
Steine aus. Trotz dieser langwierigen, überaus mühsamen Arbeit 
findet sich in den chaldäischen Figuren eine freiere Bewegung als 
in den ägyptischen. Hin und wieder drücken auch einige Gestalten 
auf älteren Cylindern eine Gemütsregung und feine Empfindung 
aus, die in der ägyptischen Kunst vergebens gesucht werden. Die 
Schönheit ägyptischer Ümrisszeichnung erreicht jedoch Chaldäa 
nicht entfernt. Das Wenige, was die lntaglien an Pflanzen- 
darstellungen bringen, lehnt sich sehr an die Naturformen an, ja 
ist oft wie z. B. die Fruchthalme auf einem häufig abgebildeten 
(Zylinder 1) getreue Nachbildung derselben. Absolute Symmetrie 
Endet sich in keinem Falle. 
Ein Vergleich der drei Künste ergibt die unnmstössliche 
Thatsache, dass in Auffassung und Formgestaltung von Natur- 
gebilden die mykenische Kunst der chaldäischen ungleich näher 
steht, als der ägyptischen. 
Die mykenischen Gefässmaler verschmähten Entwurf und 
Konturzeichnung, mit leichtem- Pinsel setzten sie ohne weiteres 
ihre oft komplizierten Muster den Gefasswänden auf. Einzelne 
Motive wie Spirale, Rosette, Palmbäume etc. entlehnten sie andern 
Künsten, verfielen dabei aber durchaus nicht in eine blinde Nach- 
ahmung, sondern bildeten, ihrem künstlerischen Gefühle volle 
Freiheit gewährend, diese Formen mehr oder weniger um und 
gaben Neues in vielfältiger, durchaus selbständiger Weise dazu. 
Aber bei allem frischen und genialen Schaffen konnten ihre 
Dekorationen wegen zu sorgloser und willkürlicher Behandlung 
im räumlichen Anordnen nur geringen Einfluss auf andere, mehr 
Gebundenheit beanspruchende Künste ausüben. Und schliesslich 
bereiteten diesen Verzierungen ihre Bildner selbst das Grab, indem 
sie gegen Ende der Epoche figürliche Scenerien den Gefässen 
aufmalten. Gegen solchen Schmuck musste die Pflanzendekoration 
zurücktreten und konnte nur noch in untergeordneter Weise, 
Perrot 
F1 g. 
260.
        

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