Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392615
Orten {indet sich noch die ältere, mit matten Farben operierende 
Malerei vor, die aber bald der Firnissmalerei weicht, welche bei 
der Hauptmasse aller mykenischen Vasendekoration in Anwendung 
kam. „Mit ihr tritt ein völlig neuer Faktor in die Kunstge- 
schichte ein. Die Ornamentik der mykenischen Vasen ist unter- 
gegangen, ihre Technik aber hat sich fortgepflanzt und bildet die 
Grundlage für die Herstellung aller hellenischen Vasengattungen. 
Nur Griechen und wer nachweislich von ihnen gelernt hat, haben 
so gemalt." (Furtwängler) 
Die Verzierungen Wurden auf das erst halbgebrannte Gefäss 
aufgemalt, und nachdem dieses dem Brennen wiederum ausgesetzt 
war, erschienen sie in einer matt glänzenden, tief schwarzbraunen 
Farbe, die mit dem Thon eine solche Verbindung einging, dass 
nur ein Abbröckeln der Gefasswände die Zerstörung der Malereien 
herbei führen konnte. Viele der griechischen Gefasse, die nun 
schon Weit über 2000 Jahre alt sind, haben heute noch das 
Aussehen, als wären sie erst vor kurzem aus der Hand des Töpfers 
hervorgegangen. (Die Zusammensetzung des Firnisses ist uns bis 
zur Zeit noch unbekannt.) 
Bei Betrachtung der Verzierungen (Furtwängler und Löschke, 
Myk. Thongef.) fällt uns fürs Erste die freie, conventionslose 
Pinselführung auf, ein überaus wichtiger Fortschritt, der nur durch 
einen Vergleich mit der Zeichenkunst der Ägypter und Chaldäer 
richtig zum Bewusstsein kommt. Die Ersteren fertigten die Um- 
risse der Figuren mit grossem Bedacht und äusserster Korrektheit. 
Dem ersten Entwurf, der mit einer dunklen Farbe (vom Meister?) 
auskorrigiert wurde, folgte die tadellose, eine ungemein sichere 
Hand verratende Vollendung. Die Figuren wurden zum Schlusse 
mit entsprechenden Farben in gleichmässiger Weise ausgefüllt, 
jedoch so, dass die Umrisszeichnung stets kräftig und klar her- 
vorsah. Auf dieselbe Art wurde auch, nur noch mit weit grösserer 
handwerksmässiger Sorgfalt das Ornament behandelt. Diese Ge- 
bundenheit in der Zeichnung macht die ägyptischen Verzierungen 
starr und monoton und unterscheidet sie von den mykenischen 
wie die Nacht vom Tage. 
Die chaldäische Zeichenkunst können wir leider nur nach den 
einzig erhaltenen Intaglien beurteilen: Der Steinschneider ritzte
        

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