Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392561
gegraben, ohne Zweifel an Ort und Stelle verfertigt, zeigen unter 
einem grösseren, mit Spiralmuster ausgefüllten Raume Kampf- 
scenen in Relief, das sich als solches nur durch einen etwas ver- 
tieften Grund darstellt. Je mehr man diese Spiralen und die über 
die Massen linkisch gezeichneten Figuren betrachtet, desto mehr 
macht sich die Überzeugung geltend, dass hier nur die getreueste 
Nachbildung von Teppichen vorliegen kann, die vielleicht zu 
Ausschmückungszwecken für die Leichenfeierlichkeiten eigens her- 
gestellt Wurden. Die Spiralen, besonders die den freien Raum 
einer Kampfscene ausfüllenden, erinnern an aufgenähte Schnüre und 
zeigen, wie heutzutage noch fast alle Schnürarbeit ein System von 
gleichmässig sich wiederholenden Aufrollungen. Sehr bemer- 
kenswert ist, dass am Schlüsse einer solchen Aufrollung die Schnur 
nicht endet, sondern in dem freien Raume zwischen der ersten 
Aufrollung sich nach rückwärts zur neuen Spiralbildung umwendet. 
Einmal, WO zwei Schnüre übereinander laufen, ist dies plastisch 
treu angedeutet. 
Die figürlichen Darstellungen ermangeln jedweder Perspektive. 
Die Pferde haben je nur einen Vorder- und einen Hinterfuss. 
Keine Figur überschneidet sich mit einer andern, jede ist überaus 
naiv dem zufällig frei bleibenden Raume angepasst. Auf dem 
oberen Rande des einzigen Wagenrades steht der Wagenkasten 
und auf dem Rande von diesem der Lenker des Gefährte. Aus 
Raummangel wurde der Schweif eines Pferdes senkrecht in die 
Höhe gerichtet und oben kreisförmig herumgebogen: alles Anzeichen, 
die dafür sprechen, dass diese Figuren behufs Herstellung von 
Prunkteppichen aus dünnem Blech ausgeschnitten und dem Teppich 
aufgeheftet wurden. Am klarsten drückt dies eine Figur aus, die 
zu gross ausgefallen, dem Umfallen preisgegeben, schief in den 
Raum eingesetzt wurde. Die ganze Darstellung zeigt etwas 
Flüchtiges und erinnert lebhaft an Figuren, die Kinder aus 
Papier schneiden. Durch die späterhin bezeugte Bestimmung 
solcher Teppiche für Leichenfeierlichkeiten ist die rasche ober- 
flächliche Arbeit leicht erklärbar. Farbenwirkung war hier aus 
natürlichen Gründen das Erste: grellfarbene Schnüre und glänzende 
Goldblechiiguren auf dunklem Grunde. 
Gegossener Glasschmuck aus der späteren Zeit der Epoche
        

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