Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392544
wenige Denkmäler diesen Kelch, bei Dieulafoy (liart antique d. 1. 
Perse) findet er sich in eleganter Form auf 2 Stirnbinden aus 
den Gräbern von Sakarah; auch eine gezeichnete Stütze in Gizeh 
trägt als Kapitäl eine Blüte mit weitausgebogenen Seiten- und 
sehr kleinen Mittelblättern. In der Kunst des neuen Reiches mit 
ihren prunkvollen Dekorationen tritt er aber desto häufiger auf 
und zeugt von dem Geschick des eründungsreichen Arbeiters, 
der diesen Kelch in allen Kunstübungen, gemalt, gemeisselt oder 
geschnitzt, stilvoll in Verwendung brachte. 
Fig. 14. Reliefverzierung eines Pfeilers im Tempel zu 
Karnak aus der Zeit Thutmosis llI. Die Blume, deren Zeich- 
nung ein eminentes Stilgefühl verrät, hat gleiche Höhe und 
Breite. Der schlanke Kelch entwächst einer kleinen Blatthülse. 
Im ersten Drittel der Höhe spaltet er sich in zwei Blätter, die 
sich mustergültig umneigen. Die inneren Begrenzungslinien bilden 
einen grösseren Bogen, während die Umdrehung der äusseren, die 
mit unbedeutender Krümmung aus der Hülse empor steigen, als 
kleiner Dreiviertelskreis auftritt. Der Zwickel, den die beiden 
Blätter bilden, ist durch einen oben abgerundeten und über die 
Blätter etwas hinausragenden Zapfen ausgefüllt. 
Fig. 15. Der mittlere Teil eines Holzlölfelchens. Als Träger 
des eigentlichen Löiiels fungiert, meisterhaft angepasst, der zwei- 
blättrige Blumenkelch. Die Spitzen der Seitenblätter drehen sich 
derart um, dass die innere Kurve nach Beschreibung eines grossen 
Bogens sich mit der äusseren Kontur verbindet und beide zusammen 
nochmals eine kleinere Umdrehung vollführen. Die hiedurch 
entstehenden Zwickel werden wiederum mit Zäpfchen ausgefüllt, 
die, dem Verlaufe der einschliessenden Kurven entsprechend, leicht 
gebogen erscheinen. 
Eine weitere nur dem neuen Reich angehörende, aber sehr 
seltene Zugabe tritt in einer kleinen, dem Mittelzäpfchen ent- 
Wachsenden und das Ganze bekrönenden Palmette auf, die ihr 
Entstehen dem Streben nach schöner Endigung zu danken hat. 
An den Ausschnitt einer Rosette hier zu denken, oder diese ent- 
wickeltere Form der einfachen ohne Palmettenbildung vorhergehen 
zu lassen, ist wohl kaum zulässig.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.