Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392311
eines Holzstabes oder Knochensplitters zum Glätten der Oberfläche 
war unbekannt. 1) Dem Thon wurden, jedenfalls nur zur Ver- 
hinderung des Werfens beim Austrocknen und Brennen, Sandkörner 
oder Muschelstückchen beigemengt. Die Gefasswände erhielten 
ziemliche Dicke und sind höchst notdürftig am Feuer gebrannt. 
Die allermeisten der aufgefundenen Töpfe tragen als Ver- 
zierung Finger- und Fingernägeleindrücke oder Einritzungen mit 
spitzen Werkzeugen, die noch vor dem Brennen der Gefässe her- 
gestellt wurden?) Grösseren Fortschritt bekunden jene Gefässe, 
deren Oberfläche mittels Russ oder Graphit schwarz gefärbt und 
deren eingegrabene Verzierungen mit einer weissen Substanz aus 
Kreide ausgefüllt sind. Auch viele Naturvölker erhöhen die 
gravierten Verzierungen ihrer Fruchtschalen auf solche der 
Einlegekunst vorhergehende Weise. 
Ausgebildete Henkel kennt das Steinalter noch nicht; nur 
hin und wieder werden den Gefässen durchlöcherte Thonstückchen 
oder kleine Ringe zum Durchziehen eines Strickes behufs leichten 
Tragens oder Aufhängens angesetzt. 
Fig. 4 (Lindenschmit, die Altertümer unserer heidn. Vorzeit) 
sie zu andern Zwecken Kürbisschalen und hölzerne Gefasse mit Thon, 
damit dieselben die Hitze zu ertragen vermögen. Es werden uns auf 
diese Weise Wege angedeutet, welche die Erfindung der Töpferkunst 
herbeigeführt haben können. (Lubbock) 
1) Dr. Fintsch (Ethnologische Erfahrungen und Belegstücke aus 
der Südsee) bringt über die Töpferei auf Neu-Guinea folgende Mit- 
teilung: Die Frau macht eine Kugel aus Lehm, die sie mit den Fingern 
ausweitet und dann vollends mittels Stein und Schlegel zu einem Topfe 
formt. Indem sie mit der linken Hand den Stein an die Innenseite 
hält, treibt sie mit dem Schlegel in der Rechten die Lehmmasse in 
der gewünschten Form aus; die Arbeit ist also gewissermassen eine 
getriebene. Die Geschicklichkeit und das scharfe Augenma-ss verdienen 
hiebei ganz besonders Bewunderung, wie die Erzeugnisse der Töpferei 
in der That eine beachtenswerte Kulturstufe bekunden. Ich habe öfters 
die Oeffnung fertiger Töpfe mit dem Zirkel nachgemessen und tadel- 
loseste Kreisform gefunden. Bei dem sehr oberiiächlichen Brennprozess 
verwerfen sich die Töpfe leicht. Das Brennen geschieht, indem um die 
fertigen, im Schatten getrockneten Töpfe, vielleicht 4-6 Stück, leicht 
brennbares Feuerungsmaterial angehäuft und dieses angezündet Wird. 
2) Thongefasse von grober Masse und schwach gebrannt, zeigen 
doch eingeritzte Ornamente, die zwar dem primitivsten Stil der Orna- 
mentik entlehnt sind, aber doch das Auge erfreuen und von der 
Ahnung von etwas Höherem, als was zu den täglichen Lebensbedürf- 
nissen gehört, zeugen. (Hildebrand, das heidn. Zeitalter in Schweden.)
        

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