Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das erste Jahr des Zeichenunterrichts
Person:
Reichhold, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391971
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1392295
Hausinnernß) als Vorhänge zum Schutz gegen Insekten, als Sitz- 
und Schlafmatten u. s. w. benützt. 
Fig. 1 (Globus 1894) zeigt das einfachste Herstellungsver- 
fahren. Die einzelnen Streifen, die aus Palmblättern geschnitten 
sind, halten durch wechselseitiges Uebereinandergreifen fest zu- 
sammen und bilden dadurch, dass die eine Lage derselben ihre 
natürlich gelbe Farbe besitzt, während die andere mit dem Absud 
einer Pflanze rot gefärbt ist, das sogenannte Schachbrettmuster, 
die vielleicht älteste Flächenverzierung. 
Ein ägyptisches Wandgemälde, das vor etwa 4000 Jahren 
gemalt wurde, zeigt uns einen Ägypter auf dem Boden sitzend, 
im Begriffe, eine ebensolche Matte herzustellen. Auch in einem 
Schweizer Pfahldorfe wurde ein ähnlicher Überrest aus Linden- 
bast vorgefunden. 
Fig. 2 bringt eine Flechtart, die besonders bei den Volks- 
stämanen Südamerikas beliebt ist. Die einzelnen Streifen laufen 
hier schief zu den Rändern der Matte und sind derart verflochten, 
dass durch die abwechselnde Wegführung je eines derselben über 
die beiden nächstliegenden ein zickzackartiges Muster gebildet wird. 
Das Mattenstück Fig. 3, aus gleichem Material wie das 
Fig. 1 hergestellt, bringt eine etwas kunstvollere Verschlingung 
der einzelnen Bänder. Die solcherweise erzielten Muster sind 
äusserst mannigfach und bilden zum Teil die Grundlage des 
geometrischen Dekorationsstils. „Die meist in Grecmanier ge- 
haltenen Randmuster sind zuweilen wahre Typen geschmackvoller 
Komposition und gehören nicht nur zu den besten Kunstleistungen 
der Marschall-Inseln, sondern der Südsee überhaupt." (Fintsch, 
a. a. O.)  
uDie alten Ägypter benützten Matten vor mehr als 5000 
Jahren zur Verkleidung ihrer Wohnungen, und malten auch solche 
getreu, selbst mit der Art der Befestigung auf die Felswände ihrer 
Totenbehausungen, Woselbst uns diese Malereien noch heutigen 
Tages in voller Farbenklarheit entgegentreten. (Abbildungen bei 
Perrot und Chipiez, Geschichte der Kunst, I.) 
Durch Matten wird das Innere der Häuser in kleine Kojen 
welche Frauen und Kindern als Sehlafplatz dienen. 
Dr. Fintsch, ethn. Erfahrungen aus der Südsee.
        

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