Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388413
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Von meinem Vater habe ich keine Antwort erhalten. Ich 
kann mir den Grund nicht erklären, obschon ich glaube, dass er 
es vergessen hat, indem Agostino mir auch schreibt, dass er mir 
an demselben Tage antworten wollte. 
Ich bin in der Steccata und bei den Barfüssern gewesen, 
und habe beachtet, was lhr mir in Bezug auf die Deckenbilder 
gesagt habt. Ich gestehe auch, dass dies alles wahr ist; aber 
ich sage immer, dass, meinem Geschmack nach, Parmigianino 
mit dem Correggio doch nicht verglichen werden könne. Denn 
die Bilder des Correggio sind eben seine Gedanken und seine 
Erfindungen gewesen; man sieht, dass er sie aus seinem Kopfe 
genommen und aus sich selbst erfunden hat, indem er sich dann 
blos durch das Modell berichtigte. Die Andern haben sich alle 
auf etwas, was nicht ihr eigen war, gestützt; der Eine auf's 
Modell, der Andere auf die Statuen, ein Dritter endlich auf Stiche. 
Alle WVerke der Andern sind dargestellt, wie sie sein können; 
die Werke dieses Mannes aber, wie sie in Wahrheit sind. Ich 
kann mich nicht ausdrücken, noch mich verständlich machen, 
aber ich verstehe mich selbst innerlich sehr gut. Agostino wird 
es gewiss besser machen und Alles nach seiner Art auseinander- 
setzen. Ich bitte Ew. Herrl., ihn anzutreiben, mit jenen beiden 
Kupferstichen fertig zu werden, und auf gute Art, wie von selbst, 
unsern Vater an jene Unterstützung zu erinnern. Ich kann sie 
jetzt nicht entbehren, werde ihn aber später nicht wieder behel- 
ligen; und wenn ich, wie ich hoITe, etwas Geld verdient habe, so 
schicke ich es ihm wieder, oder bringe es selber. Und um Ihnen 
nicht weiter lästig zu werden, empfehle ich mich Ew. Herrl. 
Es scheint kaum nöthig, zu diesen beiden Briefen (abge- 
druckt bei Bottari I. 118 u. 121 und bei Malvasia, Felsina 
Pittrice I. 365-367) nähere Erläuterungen hinzuzufügen. Das 
ganze Wesen Annibale's, sein Verhältniss zum Bruder, seine 
Begeisterung für die grossen "Werke des Correggio, die ihn, den 
schweigsamen und verschlossenen Künstler zu einer gewissen 
derben und kräftigen Beredsamkeit erhebt  alles das liegt 50 
deutlich darin ausgesprochen, dass jede weitere Ausführung
        

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