Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388380
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heute früh die Tafel mit dem h. Hieronymus und der h. Catha- 
rina angesehen und die Madonna auf der Flucht nach Egypten 
mit dem Näpfchen  und bei Gott, ich würde keines derselben 
gegen die h. Cäcilia umtauschen. Sagt selbst, ist die Anmuth 
jener h. Catharina, die mit solcher Grazie ihren Kopf auf den 
Fuss jenes schönen Christkindes beugt, nicht schöner, als die 
h. Maria Magdalena? Und jener schöne Greis, der h. Hierony- 
mus, ist er nicht grösser und zugleich (denn darauf kommt es 
anl) zarter, als jener h. Paulus, der mir zuerst als ein Wunder 
erschienen ist und der mir jetzt ganz hölzern vorkommt, so hart 
und eckig ist er? 
Daher lässt sich gar nichts darüber sagen, was nicht zu viel 
gesagt wäre  Auch Euer Parmegianino selbst möge sich nur 
zufrieden geben, denn ich sehe jetzt, dass er von diesem grossen 
Manne die Nachahmung aller Grazie unternommen hat, aber er 
ist noch sehr weit davon entfernt, denn die Kinder des Correggio 
athmen und leben und lachen mit solcher Anmuth und Wahr- 
heit, dass man selbst mit ihnen lachen und heiter werden muss. 
Ich schreibe an meinen Bruder, denn es ist durchaus nöthig, 
dass er hierher komme, wo er Dinge sehen wird, die er nie für 
möglich gehalten hat. Treibt ihn nur um der Liebe Gottes wil- 
len selbst dazu an. Er solle die beiden Arbeiten rasch beseitigen, 
um so bald als möglich hierher zu kommen, denn ich versichere 
ihm, dass wir in Frieden mit einander leben wollen; es soll 
keinen Streit zwischen uns geben, und ich will ihn Alles sagen 
lassen, was er will, und mich mit Zeichnen beschäftigen. Auch 
fürchte ich gar nicht, dass er nicht dasselbe thun und alle Re- 
dereien und Sophistereien bei Seite lassen wird, was doch Alles 
verlorene Zeit ist.  
Ich habe ihm auch gesagt, dass ich mich bemühen werde, 
ihm zu Diensten zu sein, llIlCl wenn ich erst etwas bekannt ge- 
worden bin, werde ich mir Gelegenheit zum Arbeiten aufsuchen. 
Da aber die Stunde schon spät und mir mit dem Schreiben an 
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überllüssig.
        

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