Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388376
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nehmen, sondern um mich meiner Freiheit zu erfreuen und stu- 
diren und zeichnen zu können. Deshalb bitte ich Ew. Herrl. um 
der Liebe Gottes willen, mich zu entschuldigen. 
Ich habe Euch mitzutheilen, wie gestern der Komm-M An- 
drea mich aufgesucht hat, indem er mir sehr viel Höflichkeiten 
und Artigkeiten erwies; und er fragte, ob ich an Niemanden, 
auch an ihn selbst nicht einen Brief von Ew. Herrl. abzuge- 
ben hätte; denn Sie hätten ihm geschrieben, um mich ihm zu 
empfehlen; so dass er die Absicht hatte, mich gleich mit von 
diesem Orte wegzunehmen, der, wie er Sagte, sich nicht für 
unseres Gleichen passte, und er wollte mich durchaus zu sich 
nach Hause führen; es machte ihm gar keine Umstände und er 
hätte schon dasselbe Zimmer in Stand gesetzt, das Sie schon 
einmal bewohnt hätten, und es machte ihm gar keine Unbe- 
quemlichkeit  und er sprach so viel davon, dass ich nicht- 
mehr wusste, was antworten, ausser dass ich ihm immer dankte 
und ihm sagte, ich hätte keinen Brief, weil ich meine Freiheit 
behalten will. Genug, ich machte mich mit grosser Mühe frei, 
und wenn nicht Meister Giacomo  denn so heisst mein Wirth  
dagewesen wäre und mir gut geholfen hätte, so hatte ich ihm 
nicht entgehen können. Ich bitte Ew. Herrl., mir dies nicht 
übel zu nehmen, und mich bei ihm zu entschuldigen, wie Ihr 
meint, dass es am besten sei,  denn er liess es beim Weggehen 
merken, dass er ein wenig beleidigt wäre. 
Und nun hielt es mich nicht länger und ich musste mir die 
grosse Kuppel ansehen, die Sie mir so vielmals anempfohlen 
haben, und in der That blieb ich starr vor Erstaunen, als ich 
dies gewaltige Werk erblickte, an dem jede Einzelheit so vor- 
trefflich verstanden und auf den Anblick von unten nach oben 
so richtig und mit solcher Strenge berechnet ist und dabei im- 
mer mit solchem Geschmack und solcher Anmuth, und mit 
mit einem Kolorit, das wahrhaft Fleisch scheint. Bei Gott, 
weder Tibaldo, noch Niccolino, noch, ich stehe nicht an eS 111 
sagen, Rafael selbst haben je Aehnliches geschaffen. 
Ich kenne noch nicht so viel Sachen, aber ich habe mil"
        

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