Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388362
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gedichtet; Ferrante Carlo und Dulcini, von denen wir weiter 
unten sprechen werden, und Melchiorre Zoppio, der durch seine 
"universale Kenntniss aller Wissenschaften und Künsten als 
Professor der Philosophie an der Universität glänzte, der Gründer 
der Accademia de' Gelati, den Malvasia geradezu wdivinoi- nennt, 
und für den Agostino mehrere Blätter gestochen hat. Auch" 
Künstler gehörten zu diesem Kreise, in dem  zur grössten 
Langeweile Annibalels  über Kunst und Kunstwerke gespro- 
chen, auch manche heitere und lustige Unterhaltung gepllogen 
wurde, wie denn die Caracci selbst Freunde maassvollen Scher- 
zes waren. In der Kunst aber hat sie niemals der tiefe Ernst 
verlassen, der sie auf die neue Bahn geführt. Es heisst, dass 
Lodovico oft Essen und Trinken über der Arbeit vergessen habe. 
Geheirathet hat Keiner von ihnen, um ihrer grossen Aufgabe 
durch kein anderes Interesse entzogen zu werden. Die Kunst 
war, wie Annibale sich ausdrückte, ihre Braut und Herrin. 
Sehr bezeichnend sind die Worte, mit denen Sandrart 
seinen Bericht über die Caracci heschliesst. Alle drei Caracci, 
sagt derselbe, haben in der Kunst zwar glückliche, in der zeit- 
lichen Güter Wohlfahrt aber ganz schlechte Erfolge gehabt, so 
dass sie ohne Ergötzlichkeit ihr Leben enden mussten; und zwar 
ahnten sie nicht einmal, dass ihr tugendsamer Name bei der 
Nachwelt Nachklang von Lob, Ruhm und Ehre haben würde, 
womit sie jedoch billig, zu ihrem unendlichen Preise, nach 
ihrem Tode gekrönet werden sollen. 
ANNIBALE CARACCI 
an 
Lonovxco CARACCI. 
Parma, 
18. April 
1 580. 
Ich komme mit diesem meinen Briefe, Sie zu begrüssen 
und Ew. Herrl. mitzutheilen, wie ich gestern um die siebzehnte 
Stunde in Parma angelangt bin. lch stieg daselbst in dem 
Wirthshause zum Hahn ab, wo ich mit wenigen Quattrincn und 
vielem Vergnügen zu bleiben gedenke, und ohne alle Verpflich- 
tung und Zwang, indem ich nicht hierher gegangen bin, um 
mich in Ceremonien zu ergehen und allerhand Rücksichten zu
        

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