Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388345
Ihre verschiedenen Charaktere allerdings bethätigten sich auch 
in ihrer Kunstübung. Aber wie weise wusste Lodovico diese zu 
leiten! Agostino war in der Malerei mehr schüchtern, wähle- 
risch, schwer zum Entschluss gelangend, noch schwerer zur 
letzten Vollendung. Annibale war ein rascher und tüchtiger 
Arbeiter, er machte sich nicht viel Zweifel und Skrupel und 
arbeitete mit grosser Leichtigkeit. Agostino also bedurfte des 
Spornes, Annibale des Zügels. Lodovico gab daher jenen zum 
Fontana in die Lehre, wie wir sahen, einen raschen entschiede- 
nen Meister; den Annibale behielt er in seinem eigenen Atelier, 
wo es streng und wohlüberlegt z-uging. So schlilfen sich die 
Schärfen und Ecken in den Charakteren der beiden Brüder all- 
mälig ab, die'feindliche Spannung liess nach, sie konnten nun 
gemeinsam wirken. Dies geschah, nachdem die Brüder noch in 
Parma und Venedig studirt und Agostino namentlich als Kupfer- 
stecher sich einen ehrenvollen Namen erworben, in der Akade- 
mie, die sie nun in ihrer Vaterstadt gründeten, und der sie den 
Namen der wlncamminati", der auf den rechten Weg Gebrach- 
ten, gaben. Die Schöpfung dieser Akademie, die sie unter end- 
losen Kämpfen, unter Spott und Hohn in's Leben riefen, gereicht 
ihnen zu grosser Ehre. Die Methode war wohl überlegt; was 
geschah, geschah mit vollkommener Uebereinstimmung Aller. 
Die schwierigsten Theile des Unterrichts waren natürlich Ago- 
stino übertragen. Er trug Perspektive und Architekturlehre vor; 
ebenso lehrte er Anatomie und Osteologie, worin er von seinem 
Freunde, dem Anatomen Lanzoni, unterstützt wurde. Nicht 
minder hatte er die Vorträge über Geschichte und Mythologie zu 
halten; die Schüler wurden zur Darstellung solcher Gegenstände 
angeleitet, die Arbeiten geprüft, der Sieger gekrönt. Die tägli- 
chen Uebungen  Gypsabgüsse und Kupferstiche waren in hin- 
länglicher Zahl angeschafft,  leitete, neben dem Bruder, Anni- 
bale; an der Spitze blieb immer Lodovico, der die Leitung des 
Ganzen hatte, und an den man sich in zweifelhaften Fällen 
wandte. Sehr eingehend schildert das Leben in der Akademie 
Lucio Faberio in der Leichenrede auf Agostino, bei Malvasia 
. 427. 
p Die Grundlage des ganzen Unterrichts war das Bestreben, 
die Beobachtung der Natur mit der Nachahmung der besten Mei- 
ster zu vereinigen. Die Vorzüge aller Schulen sollten erreicht 
und verbunden werden. Theoretisch drückt dies das bekannte 
Sonett Ag0stino's aus (s. n. Nr. 10). Die Zeichnung solle sein 
wie in der Antike; Bewegung und Schattengebung wie in der
        

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