Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388270
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jene Masse zu vermindern, aber das Mittel, das man dazu er- 
sonnen hat, scheint mir nicht passend, weil unter zehn, oder 
um besser zu sagen, unter hunderten kaum einer ein tüchtiger 
Mensch wird. S0 wird es vielmehr nöthig erscheinen, viele zu 
erziehen, weil nur wenige davon gerathen. Aber auch dies ist 
keine richtige Auskunft; denn der Uebrigen, welche nicht vor- 
wärts kommen, sind sehr viel, und man muss also ein Mittel 
finden, deren wenige, aber gute auszubilden. Da sich diese nun 
aber nicht auf den ersten Anblick erkennen lassen (mitunter 
könnte dies blos aus der Physiognomie gelingen), so wird es 
räthlich sein, nur Söhne von anständigen, wohlhabenden und, 
wenn es möglich ist, von adligen Bürgern zu Schülern zu neh- 
men. Diese sind meistentheils wegen ihrer guten Sitten und 
Erziehung gelehriger und fähiger als die anderen, und von mehr 
erfinderischem Geist. Daher man denn auch von ihnen bessere 
Erfolge erwarten könnte. Sie würden nach Ehre und nicht nach 
Gewinn streQn, sie würden mit Kenntnissen und den schönen 
Wissenschaften ausgestattet sein, die dem Maler so nöthig sind; 
sie würden endlich im Stande sein, jene edle Kunst zu ihrer 
früheren Grösse wieder emporzuheben. 
Es könnte darauf Jemand erwidern, dass, wenn man so 
verführe, sie vielmehr auf das Schleunigste erlöschen würde, 
indem sich bei unseren Mitbürgern gar keine Neigung zu einer 
von ihnen missachteten Kunst bemerken liesse. Darauf habe 
ich zu entgegnen, dass unzählige Menschen dieselbe nicht ach- 
ten, weil sie sie nicht kennen; viele dagegen kennen sie wohl, 
aber sie schätzen sie nicht, wegen der untergeordneten Verhält- 
nisse derer, die sie ausüben. Denn oft giebt es Leute, die reich 
an Tugenden sind, aber dürftig in ihrer Kleidung und deshalb 
von den Andern gemieden. Nicht etwa, weil die Kleider das 
Talent im Geringsten vergrössern oder verringern könnten, son- 
dern es ist die Rücksicht auf den Dritten, wegen welcher man 
S0 handelt. Ich gebe zu, dass auf einige Zeit die Zahl der Künst- 
ler sich verringern würde, keineswegs aber die Kunst, zweifelt! 
dann aber auch nicht im Geringsten, dass, wenn jene Art Voll
        

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