Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388265
28 
gegen mich mit dem dummen Vergeben der Ehre der Kunst be- 
decken, indem sie meinen, dass Jemand, nachdem er sieben oder 
acht Jahr bei einem Meister gewesen, geprüft werden müsse; 
werde er nicht für tüchtig erfunden, so solle er als Gehülfe bei 
irgend einem Meister untergebracht werden 1). Sie haben Recht 
und ich verzeihe ihnen. Ich frage aber, wenn nun Jemand inner- 
halb eines Jahres durch besondere Begünstigung so viel er- 
lernte, als ein Anderer nicht in sieben, acht oder zwanzig Jahren 
erlangen kann, soll man dem entgegen sein und ihm eine Gabe 
streitig machen, die ihm Gott verliehen hat? Und wenn Einer 
von selbst und ohne Meister erlernt, was ein Anderer nicht mit 
Hülfe eines Meisters erlangen kann, ist es da nicht ehrenwerth, 
aus Liebe zur Kunst jenen höher zu stellen, als diesen? Am 
besten wäre es wahrlich, von diesem Artikel das, was darin 
Böswilliges sich befindet, zu streichen und zu sagen, dass nur 
derjenige bestätigt werden solle, der seine Kenntnisse im Examen 
bekundet hat; wo nicht, so solle er als Gehülfe arbeiten. Besser 
freilich wäre es, dass allen, Alten und Jungen, Vorstehern und 
Nichtvorstehern eine kleine Fähigkeit verliehen werde 2), damit 
man die Gehülfen billiger bekommen könne. Denn ich bilde mir 
ein, dass Mangel daran sein wird, und es kann auch kaum an- 
ders sein, da es eine so grosse Menge von Meistern giebt. 
Auf den zweiten Artikel, der da verbietet, mehr als einen 
Lehrling zu haben, habe ich Folgendes zu erwidern. Dieser Ar- 
tikel ist ganz erträglich, indem er zum Zweck hat, die Zahl der 
Ungeschickten zu verringern; denn es scheint wirklich eine un- 
menschliche Sache, dass alle, auch die Dutzendmaler, sich einen 
ganzen Haufen von Schülern halten, die meistentheils arm sind, 
weder wissenschaftliche Bildung noch Talent haben, und sich 
nur des Erwerbes halber der Kunst zuwenden. Und nachher 
machen sie dann abscheuliche und unwürdige Dinge, um diesen 
Zweck zu erreichen. Meiner Ansicht nach ist es nothwendig, 
maestro. 
l) Sia accomodato per lavorante con alcun 
2) Che fosse data una vagliatina. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.