Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388257
27 
sieht, die Manier eines andern erlernen kann, indem er dessen 
Werke studirt. Das ist so klar, dass es keiner Beispiele zu be- 
dürfen scheint; trotzdem aber will ich deren einige anführeIL 
Malerei und Skulptur sind bis auf imsere Zeiten mehrmals 
zugleich mit den Meistern zu Grunde gegangen, Wie könnten Sie 
nun also heutigen Tages gekannt sein, wenn sie nicht ohne Meister 
erlernt werden könnten? Und um die Wahrheit zu sagen, so 
hatte man kaum angefangen, die verschütteten antiken Statuen 
aus der Erde aufzugraben, als auch die Kunst zu einem neuen 
Leben zurückkehrte, in Folge der Beobachtung und des Stu- 
diums, welche die Menschen darüber anzustellen unternahmen. 
Aehnlich erging es mit der Malerei in Folge der ausgegrabenen 
Bilder. Polidoro da Caravaggio war ursprünglich ein Maurer- 
gehülfe und durch das Studium der alten Skulpturen der Tra- 
jans-Säule wurde er ganz von selbst ein bewunderungswürdiger 
Meister im Helldunkel. Matteo Civitali von Lucca soll nach 
Allen zuerst Barbier gewesen sein und erst im Alter von mehr 
als vierzig Jahren hat er Scheere und Kamm weggeworfen und 
sich daran gemacht, den Marmor zu bearbeiten. Und in Genua 
kann man in der Kapelle des h. Johannes des Täufers an den 
sechs von ihm gearbeiteten Statuen sehen, 0b er von selbst zu 
lernen vermochte. Michel Angelo nannte sich Schüler des Torso 
vom Belvedere, an dem er grosse Studien gemacht zu haben 
behauptete, und in der That hat er durch seine Werke bewie- 
sen, dass er damit die Wahrheit gesagt. Um indess hiermit zu 
Ende zu kommen, möchte ich doch alle diejenigen, nach denen 
man nur von einem einzigen Meister die Kunst erlernen soll, 
fragen, weshalb sie denn antike Basreliefs, gute Zeichnungen 
und ausgezeichnete Stiche kaufen, und 0b sie dies zum Studium 
oder aus Gewohnheit thun. Vielleicht aber sagen sie wegen 
ihrer geringen Bildung, es sei aus Gewohnheit oder zur Unter- 
haltung 1), und es ist möglich, dass sie damit, in der Absicht 
zu lügen, die WVahrheit sagen. Jene wollen ihre Böswilligkeit 
ornanmento. 
Per
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.