Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388245
werks ist,loder wenigstens das, wozu ich sie beauftragt habe: 
denn von dem, was ich beabsichtige, werden sie nun und 
nimmermehr etwas erfahren. Denn so erfordert es meine Würde. 
Eure Heiligkeit aber bitte ich, mit ihnen Mitleid zu haben, da 
der Neid für gewöhnliche Menschen eine zu grosse Versuchung 
ist. Diese weise Antwort gefiel dem Papste dermaassen, dass sie 
Michel Angele einen noch grösseren Einfluss erwarb und er ihm 
seit der Zeit noch mehr Liebe erwies. Da ich nun aber nicht 
zugegen bin, so könnt Ihr diese Ansicht vertheidigen und be- 
haupten, dass die Kunst sehr gut ohne Meister erlernt werden 
kann. Denn das Studium derselben besteht zunächst in der 
Theorie, welche zum grössten Theile auf der Mathematik, Geo- 
metrie, Arithmetik, Philosophie und anderen edlen Wissen- 
schaften beruht, die aus Büchern gelernt werden können. Das 
Uebrige aber hängt von einer langen Beobachtung der natür- 
lichen, künstlichen und zufälligen, so wie der körperlichen und 
unkörperlichen Dinge ab und von den Wirkungen und Bewe- 
gungen aller Dinge, die nur auf der Welt sind. Sie besteht fer- 
ner in der Praxis, und ich stelle nicht in Abrede, dass diese von 
einem Meister seinen Schülern überliefert werden kann, indem er 
Vieles durch seine Anweisung erleichtert; aber selbst die Praxis 
lässt sich nicht lehren, wenn der Schüler nicht zum Lernen 
fähig ist. Ist er aber fähig dazu, so wird er dieselbe nicht mehr 
und nicht minder auch von selbst zu erlernen im Stande sein, 
indem er das von tüchtigen Meistern in ihren Werken befolgte 
Verfahren beobachtet, welches sich darin eben so wie die Hand 
des Schreibenden in ihren Schriftzügen wahrnehmen lässt. 
Es ist ganz klar, dass wie in der Poesie ein Dichter sich 
den Styl eines andern zum Muster nimmt, den er niemals weder 
gesehen noch gekannt hat, und ähnlich ein Musiker den Styl 
eines andern nur durch Auseinanderlegung und Erforschung 
seiner Kompositionen, so wie dadurch sich aneignet, dass er 
sich Regeln daraus bildet  so auch ein Maler, wie man ja täglich 
1) Solo collo spartire 
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