Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388159
Von Mailand ist auch der Maler, der jetzt die Vorderseite 
des grossen Saales in diesem von dem Erzbischof BQn-Qmeo ge- 
stifteten Kollegium malt, und ich kann Euch sagen, dass ich, 
wenn ich ihn früher gekannt hätte, mich nicht so leicht in eine 
Konkurrenz mit ihm eingelassen haben würde. Ferne;- leben die 
Procaccini, eine bolognesische Künstlerfamilie, in Mailand, wo 
sie viel verdienen und sehr geehrt werden. Wenn sie sich aber 
noch mehr hervorthun wollten, so hätten sie sich dem lombar- 
dischen Style nähern und dem trockenen Kolorit der Schule der 
Caraccfs eine grössere Fülle geben müssen. Uebrigens muss ich 
Euch sagen, dass die gegenwärtigen Mailänder Maler  zu denen 
ich auch die stets in Mailand beschäftigten Campi von Cremona 
rechne, sich mit Unrecht von der schönen Einfalt und der Be- 
scheidenheit der Maler entfernt haben, die im Anfang dieses 
Jahrhunderts lebten; und dass die Procaccini, besonders aber 
Giulio Cesare, gewisse gezierte Köpfe einführten, und eine 
Art so plumper Engel, die auch nicht die geringste Ehrerbie- 
tung beim Anblicke Gottes und der h. Jungfrau zeigen, so 
dass ich kaum weiss, wie sie ertragen werden ; wenn man sie 
ihnen nicht etwa in Rücksicht auf so viele anderweitige Vor- 
züge vergiebt. 
Ich werde hier sehr gut behandelt, und wenn ich nicht die 
Verpflichtung übernommen hätte, nach Venedig zu gehen, so 
würde ich mich nach anderen Arbeiten umsehen um noch einige 
Zeit hier zu bleiben. Nach Rom komme ich, wann es mir mög- 
lich ist, was Ihr nur ganz offen dem Monsignor Cesarini sagen 
möget. Euch aber empfehle ich mich. 
Bottari VII. 509. Ueber das Datum dieses, so wie des 
folgenden Briefes: vergl. die Erläuterung zu Nr. 3. Die in 
dem Briefe erwähnten Meister und Kunstwerke sind zum Theil 
bekannt. Der h. Paulus von Gaudenzio Ferrari befindet sich 
gegenwärtig im Louvre zu Paris, bezeichnet "Gaudentius 153411 
(Ecole d'Italie Nr. 190.)  Der Mailänder Maler, der mit 
Zuccaro zusammen im Saale des Kollegiums malt, iSf "eich 
Zuccards eigener Mittheilung in seinem wPassaggio Per lltaha" 
Kiinstleranriefe. II. 2
        

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