Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388120
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des Escurial fortzuführen; doch stimmt jenes Urtheil mit einigen 
Aeusserungen Vasarfs überein, der von einigen Bauten seines 
Freundes besonders den Reichthum an Erfindung, sowie die 
novita und bizarria, Neuheit und Absonderlichkeit, hervorhcbt, 
die gerade in jener Zeit des Manierismus als besondere Ver- 
dienste gepriesen wurden. An und für sich würde diese auch 
Wohl Zuccaro nicht getadelt haben, welcher derselben Rich- 
tung angehörte: jedoch konnte ihn seine Feindschaft gegen 
Vasari in diesem Fall leicht zu anderer Ansicht bewegen.  
Der obige Brief hat keine Jahreszahl, doch glaube ich den 
Anfang der neunziger Jahre annehmen zu dürfen, indem 
Zuccaro 1591 Spanien verlassen und schon 1593 oder 1595 in 
Rom die Gründung der Akademie von S. Luca veranlasst hat, 
nachdem er jene Rundreise durch Italien und namentlich durch 
die Lombardei beendigt, auf der auch die Malereien in Pavia 
entstanden sind. 
Es wird diese Vermuthung durch die im Briefe befindliche 
Aeusserung Zuccards bestätigt, dass es sich gegenwärtig um die 
Seligsprechung Carlo Borromeds handele. Dieser aber ist im 
Jahre 1590 gestorben und die Seligsprechung zwei Jahrzehende 
später unter Papst Paul V. erfolgt. Was den Ueberbringer von 
Lodovicds Grüssen an Zuccaro, den jungen Armenini, betrifft, so 
kann dies nicht der Verfasser des unter dem Titel ßDei veri 
precetti della pitturac im Jahre 1587 zu Ravenna erschienenen 
Buches sein, der damals schon ein Mann von mehr als 60 Jah- 
ren war. Vielmehr scheint ein jüngerer Verwandter dieses 
Gio. Batista Armenini aus Bologna darunter zu verstehen zu 
sein, welcher dem Zuccaro aus dem wenige Jahre zuvor er- 
schienenen Buche dieses letzteren die Geschichte von dem Mai- 
länder Künstler erzählt hat, deren Zuccaro in dem Briefe Er- 
wähnung thut. In dem genannten Werke (Buch lII., Cap. 15) 
wird nämlich eine Geschichte erzählt, auf welche die Aeusse- 
rung Zuccards sehr wohl zu passen scheint. Er habe einst, 
erzählt Armenini, den Palast eines reichen Mailänder Kaufmannes 
besehen, worin derselbe einen Saal von einem jungen Künstler 
ausmalen liess. Als dieser den Kaufmann fragte, welche Gegen- 
stände er auf dem Friese dieses Saales malen sollte, erwiderte 
dieser, er möchte ihm den Fries nur wie die huntfarbigen 
Strümpfe ausmalen, die jetzt Mode seien. Und als der Maler 
angefangen hatte, die Geschichten der Psyche nach den in 
Kupfer gestochenen Kompositionen RafaePs darauf vorzustellen, 
sagte ihm der Herr, er möchte ihm nicht zu viel Psychen malen
        

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