Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388051
durch nichts schärfer das Verhältniss Zuccaro's zu den Meistern 
der Blüthezeit bezeichnen. Und dieser traf damit, wie jener 
vollkommen den Geschmack der Zeit. Unglaublich rasch, wie auf 
dem Gebiete der Poesie, hatte sich auch auf dem der bildenden 
Kunst diese Umwandlung vollzogen. Beide Erscheinungen sind 
für die Geschichte der modernen Bildung gleich wichtige Wie 
sehr übrigens gerade dieses Verallgemeinern und Entindividuali- 
siren in der Kunst und Ansehauungsweise Zuccaro's begründet 
lag, geht u. a. aus den Lehrsprüchen hervor, die er in der 
besten Absicht den Akademikern von S. Luca bei seinem Rück- 
tritt vom Präsidentenstuhl hinterliess. 
All 'arte del disegno  spirito ed ingegno. 
Per essere compito  disegno e colorito. 
Senza grazia non mai  altrui grato sarai. 
Pastositä e dolcezza  condisce ogni bellczza. 
Usa con avvertenza  1a molta diligexlza. 
Fuggi Taffettazione  se vuoi far cose buone. 
A molte cose vale  chi 2a universale. 
Sia di studio fornito  chi vuol esser compito. 
Decoro ed onestä  dan segno di hontä. 
Chi imita il vero  ä a1 {in maestro intiero. 
Or se sarete intenti  a questi üVVGTÜIIIBHÜ 
O nobil' intelletti  diverrete perfetti. 
I1 {ine ä di studiare  non {inir non cessar mai. 
I-lier ist Alles allgemein gehalten; nirgends positiver Gehalt, 
nirgends ein fester Anhaltspunkt. Es ist Alles damit gesagt 
und gar nichts. Dem Künstler soll Alles damit gegeben wer- 
den, dessen er zu seiner Ausbildung bedarf, und ihm wird für 
seine wirkliche Ausbildung positiv nichts geboten. Wie anders 
dagegen jenes Sonett des Agostino Caracci, das den Inbegriff der 
akademischen Lehrmethode enthäilt und das überall auf positive 
Eigenschaften und bestimmte Vorbilder hinweist. (S. u. Erläute- 
rung zu Nr. 10.) In diesem seinen Sinne aber hat Zuccaro in an- 
erkennenswerther NVeise für die Kunst zu wirken gesucht. Unter 
mehren Schriften, die er in den spätem Jahren seines Lebens 
geschrieben, befindet sich ein Brief an die Fürsten und Herren 
seiner Zeit, in welchem er dieselben ermahnt, die Künste zu be- 
schützen und zu fördern. Er glaubt, dies sei am besten durch 
Akademien zu erreichen. vNVenn ich auchu, sagt er in dieser 
Beziehung am Schluss des Briefes, wnur einer der Geringstefl "l 
der Kenntniss dieser Studien bin, und auch nicht die Reich-
        

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