Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1388024
ten dem Künstler die  eigentlich schon im Jahre 1576 fällige 
 zweite Abschlagszahlung von 100 Scudi, worauf Barocci den 
oben abgedruckten Brief an sie, so wie einen zweiten gleichen 
Inhalts an den Cancelliere Vincenzo Torri (p. 171) richtete, letz- 
teren mit geringerer Verhehlung seines Aergers über das Ver- 
fahren der Rektoren und mit besonderer Betonung des Umstan- 
des, dass er doppelt so viel Arbeit auf das Bild verwendet habe, 
als er eigentlich verpflichtet gewesen sei. Dass er mit diesen 
Briefen seinen Zweck erreicht habe, geht aus dem folgenden 
vom 22. November hervor, in welchem er den Empfang der 
100 Scudi anzeigt. Die 'f'afel wurde dann auch zur versproche- 
nen Zeit fertig, indem dieselbe nach einem Briefe der Rektoren 
vom 1. Mai 1579 damals nach Arezzo geholt worden ist. Mit 
diesem Briefe, der noch sehr artig geschrieben ist (S. 175) steht 
dann der letzte dieser Reihe vom 30. Juni 1579 (S. 176-182) 
in scharfem Kontrast, indem die Rektoren darin ihre grosse 
Unzufriedenheit mit den Leistungen des Künstlers aussprechen. 
In kleinlicher Weise werden zunächst die früheren Verzögerun- 
gen sämmtlich wieder angeführt, dann aber wird es sehr übel 
vermerkt, dass das Bild gar nicht von der Güte erscheine, die 
man erwartet hatte. Auch beginne dasselbe schon einen Riss 
zu zeigen, indem die Hölzer noch nicht trocken genug gewesen 
oder nicht gut genug zusammengefügt seien. Wenn dem Künst- 
ler noch etwas fehle, so solle er es sagen; sie wollten ihm genug 
thun. Vielleicht würden sie dann auch daran denken, vor 
Gericht auszusagen, was ihnen fehle und was er noch nach- 
zuthun habe. 
Es ist zu bedauern, dass eine leichte Verstimmung die 
Rektoren bewog, mit solcher Nichtachtung von einem Bilde zu 
sprechen, das jetzt zu den besten dieses Meisters gerechnet wird 
und das einen sehr wichtigen Einfluss auf einige der jüngeren 
Zeitgenossen desselben ausgeübt hat. Es ist die unter dem Na- 
men der Madonna del popolo bekannte Tafel in den Uffizien zu 
Florenz, auf welcher die h. Jungfrau dargestellt ist, auf NVolken 
knieend und bei dem in einer Glorie erscheinenden Christus 
ihre Fürbitte für das Volk von Arezzo einlegend. Nach Kugler 
Geschichte der Malerei II. p. 83 als Fürbitterin für die Armen, 
nach dem Katalog der Uffizien (der öffentlichen Gallerie in Flo- 
renz) für die Wohlthäter der Armen und Wittwen. In einem da- 
zugehörigen und jetzt noch in Arezzo befindlichen Rundbilde 
ist Gott Vater dargestellt. Das Hauptbild (6-7 Braccien hoch, 
4-5 Braccien breit) ist, wie der Künstler in den Briefen mehr-
        

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