Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387946
XLIV 
holländischen Künstlern hervorgetreten sind, als den Begründer 
dieser Kunstweise bezeichnet habe, deren Zusammenhang mit 
der protestantischen Weltanschauung schon anderweitig nach- 
gewiesen ist, und die Schnaase so schön als ein sittliches Be- 
dürfniss des germanischen Gefühles bezeichnet hat. S0 ist fer- 
ner die ldealität zu verstehen, die ich S. 217 Rembrandt zuge- 
schrieben habe, und die nicht etwa in der Geltendmachung eines 
abstrakten Schönheitsideales besteht, die Niemandem ferner lie- 
gen konnte, als gerade Rembrandt, sondern die vielmehr darin 
beruht, dass eine an sich wahre, menschliche Idee sich an wirk- 
liehen Personen und in Verhältnissen des wirklichen und ge- 
wöhnlichen Lebens verkörpert. Ich möchte als Beispiele dieser 
Idealität, in deren Erreichung mir die letzte und höchste Auf- 
gabe künstlerischer Thatigkeit zu liegen scheint, hier nur an 
Rembrandts barmherzigen Samariter und dessen heilige Familie 
im Louvre erinnern. Ersteres stellt einen ganz einfachen, na- 
türlichen, anspruchslosen Vorgang in dem Hofe eines ganz ge- 
wöhnlichen Gasthauses dar, der von dem letzten Strahle der 
scheidenden Abendsonne erleuchtet scheint. Hierher hat der 
barmherzige Samariter den Verwundeten, wenig poetisch, aber 
sehr praktisch, zu Wagen schaffen lassen. Man sieht, dass der- 
selbe Erleichterung gehabt hat; man sieht, dass die beiden 
Leute, die ihn tragen, dies mit herzlicher Theilnahme thun; 
man sieht, dass der Samariter, der oifenbar seinen Weg fort- 
setzen muss, nun seine Theilnahme auf die Anderen überträgt, 
denen er den Kranken anvertraut, und die Mittel zu dessen 
Pflege gewährt. Alles geschieht ohne poetische Aufregung, ohne 
Schwung der Empfindung, ohne Aufwand ergreifender Leiden- 
schaften, wie ihn die italienischen Maler und auch Rubens bei 
ähnlichen Darstellungen zu entfalten pflegen; aber Alles ist von 
der stillen Macht werkthätiger Liebe durchdrungen, und zu einer 
Poesie erhoben, die ich als Poesie der Prosa bezeichnen möchte,
        

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