Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391755
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nicht getrennt werden. Sie würden sonst nicht gut zu einander 
passen. Was die Person des Herrn Francesco Brontino betrifft, 
so bietet derselbe eines der merkwürdigsten Beispiele jener 
Sammellust und Kunstliebhaberei dar, die Wir schon so oft als 
besondere Eigenthümlichkeit des siebzehnten Jahrhunderts her- 
vorgehoben haben. Er ist, nach den Aeusserungen des Grafen 
Giacomo Carrara, eines mit Bottari befreundeten Kunstliebha- 
bers zu Bergamo, ein ganz unbedeutender, aber äusserst merk- 
würdiger Mensch gewesen, nfü un uomo da nulla, ma oltremodo 
maravigliosor. Als Bauer geboren, blieb er sein ganzes Leben 
über durchaus unwissend, ohne es je weiter als bis zum Lesen- 
lernen zu bringen, und auch dies gelang ihm nur mit Mühe. 
Trotzdem aber war er in gute Bücher und schöne Gemälde ver- 
liebt, wie nur irgend ein gelehrter und reicher Literat und 
grosser Herr. vWas in solchen Personen", sagt Carrara viel- 
leicht etwas zu strenge, nedel und löblich gewesen wäre, war 
in ihm nichts Anderes als Narrheitu. So habe er seine lange 
Lebenszeit darauf verwendet, ausgezeichnete Gemälde und die 
besten Kupferstiche zusammen zu bringen, nicht minder gute 
Bücher, und dafür habe er sein ganzes Vermögen verschwendet. 
Sonst lebte er höchst dürftig, sowohl in Kleidung und Speise, 
als auch in Bezug auf seine Wohnung, welche äusserst ärmlich 
war. Um nur zu leben, musste er endlich von seinen Schätzen 
einige verkaufen, wobei er aber immer erst mit den weniger 
guten Sachen begann, um sich von den guten so spät als mög- 
lich zu trennen. Trotz der Dürftigkeit seiner Lage lebte er 
äusserst zufrieden, und erhielt sich bis zu seinem Tode eine 
gute Sammlung von Büchern und Bildern, in denen er durch 
lange Praxis sich eine ziemlich genaue Kenntniss erworben 
hatte. Paolotto Ghislandi hat sein Bildniss gemalt, welches spä- 
ter nebst einigen Büchern, Abgüssen und ähnlichen Seltenhei- 
ten seiner Sammlung in den Besitz des obenerwähnten Grafen 
Giacomo Carrara übergegangen ist.  Die genaue Bekanntschaft 
des treiflichen Brontino mit Carlo Antonio Tavella und vielen 
andern gleichzeitigen Künstlern geht aus der grossen Anzahl 
von Briefen hervor, welche Tavella an ihn gerichtet hat, und 
die von Bottari mitgetheilt worden sind. Dieselben behandeln 
fast alle ähnliche Gegenstände, als der oben abgedruckte Brief 
vom 28. März 1705, und sind mit grosser Frische und einem 
höchst ergötzlichen Humor geschrieben. Vergl. z. B. den Brief 
vom 9. Juli 1706, worin er sich als Honorar für Zwei Bilder
        

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