Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391672
ÖÖH 
haben. Ohne indess auf die Bemerkungen zurückzugeben, Welßhß 
diese in ihren, mir augenblicklich nicht zu Gebote stehenden 
Büchern darüber hinterlassen haben, glaube ich kaum, dass ich 
mich alles desjenigen erinnern würde, was zur Unterstützung 
meiner Gründe nöthig sein würde. Nichtsdestoweniger aber bin 
ich der Ansicht, dass dieses das sicherste Mittel sei, dessen ich 
mich bei Ergründung des WVerthes der Malerei und Skulptur 
bedienen kann, indem ich über dieselben nach den Aussprüchen 
Anderer urtheile und unter Zustimmung Ew. Herrl., welche 
ausser den ritterlichen Uebungen und der edlen Ausbildung der 
anmuthigsten Fähigkeiten und der schönen Wissenschaften sich 
auch mit bewunderungswürdigem Geschick und raschem Erfolge 
des Zeichnens und Malens beileissiget. Unter allen diesen Be- 
dingungen hören Sie also nun meine Ansicht. 
Die älteste Kunst ist die Skulptur, und nach dem, was dar- 
über Eusebius von Caesarea im dritten Buch seiner Praeparatio 
Evangelica andeutet, hat sie ihren ersten Ursprung von Gott 
selbst erhalten, der den ersten Menschen aus weicher Erde bil- 
dete und dadurch die übrigen Menschen lehrte, in ähnlicher 
Weise ihre Ebenbilder herzustellen. Und da der Götzendienst, 
indem er dem Menschen die Gott gebührende Anbetung widmete, 
sich zu allen Zeiten menschlicher Bilder bedient hat, so scheint 
der Gedanke Jener sehr wohl begründet, die da mit dem ersten 
Entstehen der Skulptur zugleich auch das erste Entstehen des 
Götzendienstes annehmen. 
Der h. Cyprianus in seiner Abhandlung über die Götzen- 
bilder, stellt die Betrachtung auf, dass die Liebe der Untergebe- 
nen zu ihren Herrschern dieselben dazu veranlasst habe, deren 
Bilder zu machen, um sich nach deren Tode auf irgend eine Art 
für deren Verlust zu trösten und sich ihr Andenken lebendiger 
zu erhalten; ein frommer Gebrauch, der späterhin durch die An- 
wendung von Altären und Weihrauch und durch Darbringung 
von Schlachtopfern zu einem abergläubischen wurde. Wie Weit 
aber jene Zeiten, in denen derartige Anbetungen ihren Ursprung 
Künstler-Briefe. U. 24
        

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