Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391661
BENEDETTO BRESCIANI 
2111 
[GLAN GASTON DE, MEDICIIP] 
Castell der (Zitadelle von 
18. Februar 1695. 
alten 
dem 
Aus 
Livorno, 
Q 
Durch den freundschaftlichen Streit, der sich unter jenen 
Herren über die Malerei und die Bildhauerei entsponnen hat, 
erinnern mich Ew. Erl. Herrl. an die alte und schwierige Frage, 
die man so oft in Privat-Unterhaltungen, wie in öffentlichen 
Akademieen aufgeworfen hat, um zu entscheiden, welche von 
diesen beiden edlen Künsten den Vorrang verdiene. Schon lange 
hat man sich in Partheien gesondert und von 'l'ag zu Tage 
wachst die Zahl dieser Partheigänger; man führt Gründe für 
den höheren Werth an, bringt Zeugnisse aus dem Alterthum 
und Argumente von grösserer Vortrefflichkeit bald zu Gunsten 
der Malerei, bald im Interesse der Skulptur bei. Ich meiner- 
seits würde bei so vielen geistreichen Kämpfen viel lieber zu 
den Zuschauern gehören und mich neutral verhalten, wenn mir 
Ew. Herrl. nicht den Auftrag gegeben hatte, Ihnen, sowie jenen 
anderen Herren meine Ansicht und die Gründe mitzutheilen, 
die mich mehr auf die eine, oder auf die andere Seite hinzu- 
ziehen im Stande sind. Ich habe nun nicht eine solche Kennt- 
niss von der letzten Vollendung und Vollkommenheit dieser 
beiden Künste, um darüber ein zuverlässiges Urtheil abgeben zu 
können und ausser meinem blossen Geschmack und einer ge- 
wissen Neigung für das, was die Grundlage sowohl von der einen, 
als auch der andern ausmacht, d. h. für die Zeichnung, mit der 
ich mich auf sehr kurze Zeit nicht sowohl beschäftigt, als viel- 
mehr unterhalten habe, finde ich nichts Anderes in mir, was 
mich geneigt machen könnte, darüber zu sprechen. 
Ich könnte den Meinungen so vieler erfahrener Männer, 
sowohl der berühmtesten Schriftsteller, als auch der geschickte- 
sten Künstler folgen, die zu verschiedenen Zeiten durch WVort 
oder That das Verstandniss und den Ruhm dieser Künste erhöht
        

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