Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387881
XXXVIII 
glänzenden und an Ueberfülle willkürlicher Formen reichen Ma- 
nierismus zurückgeführt haben. Jener übertrug einen ähnlichen 
Sinn auf die Skulptur, dieser auf die Malerei. Unter Urban VIII. 
entwickelt sich die nach Pietro Berrettini da Cortona benannte 
Malerschule der Cortonesken, die, indem sie sich an den äusser- 
lichsten unter den Bolognesischen Meistern anlehnte, zu einem 
kühnen und üppigen Manierismus sich zurückwendete und auf 
lange Zeit in Rom und Florenz die herrschende blieb. Auch 
das ist sehr bezeichnend, dass die Träger dieser neuen Richtung 
viel für Frankreich und die dem französischen Interesse eng 
verknüpften Mediceer arbeiteten. Vergl. die Briefe von Lorenzo 
Bernini (Nr. 81), von Pietro Berrettini da Gortona (Nr. 82), von 
Ciro Ferri (N0. 93) und von Benedetto Luti (N0. 97). Ist schon 
hierin ein gewisser Einfluss des französischen Geistes und jenes 
Systems nicht zu verkennen, das nun an Stelle des spanisch- 
orthodoxen zur Geltung gekommen, so sollte derselbe mit noch 
grösserer Entschiedenheit in der Thätigkeit französischer Meister 
hervortreten. Schon seit dem Anfange des siebzehnten Jahrhun- 
derts war der Zudrang französischer Künstler nach Rom sehr 
gross gewesen. Fast alle bedeutenden Maler der französischen 
Schule haben sich in Rom oder Florenz gebildet. S0 J aques Callot, 
SimonVouet, Jaques Stella und Claude Vignon, von denen unter 
Nr. 61-64 Briefe mitgetheilt sind; so Moyse Valentin, Pierre 
Mignard und Andere, von denen wir hier nur Nicolas Poussin 
hervorheben wollen. Poussin's erste Studien und Erfolge in Rom 
fallen in die Regierung Urbarfs VIII., dessen Nepote, Francesco 
Barberini, sein erster Gönner daselbst war, und ich glaube 
kaum, dass unter einem anderen Pontifikate, als unter dem 
Malfeo Barberinfs, die Kunstweise P0ussin's in Rom hatte 
Wurzeln schlagen können, indem dieselbe recht eigentlich als 
der künstlerische Ausdruck des französischen Geistes und der 
von Frankreich gegenüber Spanien vertretenen Ideen betrachtet
        

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