Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391602
LUDOVICO DAVID an die Vorsteher der Misericordia maggiore 
zu Bergamo.  
Rüma 
23. Februar 1693- 
Ich bin von dem Er]. Herrn Abt Enea Tassis aufgefordert 
worden, auf die Vorschläge Eww. verehrten Herrll. in Bezug auf 
die drei Bilder zu antworten, die Sie in Rom von der Hand der 
berühmtesten Künstler ausführen lassen wollen. Dieselben be- 
standen darin, dass diese Künstler besagte Bilder auf ihre eigene 
Gefahr und Kosten machen, und sie dann auf gleiche Weise 
nach Venedig etc. schicken sollen; dass ferner, wenn die Bilder 
Eww. Herrll. nicht Genüge leisten sollten, es in Ihrem Willen 
Stände, dieselben nicht anzunehmen, und dass endlich, wenn 
Sie die Bilder nicht nehmen, die besagten Maler unter keinerlei 
Vorwand auch nur das Geringste beanspruchen dürften. Ich 
erwidere darauf mit aller Ehrerbietung, dass ich es bisher im- 
mer so gehalten habe, dass mir Derjenige, in dessen Auftrag ich 
arbeite, mindestens den vierten Theil des bedungenen Preises 
im Voraus, und den Rest, bevor die Werke aus meinem Hause 
weggehen, bezahlt, und dass ich deshalb unter keiner Bedin- 
gung den ersten Vorschlag annehmen darf. Denn da das Bei- 
spiel der von Ihnen angeführten Maler, welche für Ihre Kirche 
gearbeitet haben, keinen Werth für mich hat, so würde ich, 
ohne vor Schaam zu erröthen, nicht die Erinnerung auf die 
Nachwelt übergehen lassen dürfen, dass ich in solcher Weise 
einen so edeien Beruf erniedrigt hätte. 
Und obschon ich den guten Geschmack Eww. Herrll. sehr 
hoch stelle, und an dem gerechten Urtheile derselben nicht im 
Geringsten zweifele, so kann ich doch auch eben so wenig auf 
den zweiten Vorschlag eingehen. Denn die Malerei ist eine 
so schwere Kunst, dass Künstler von Bildung behaupten, es 
könne von Niemandem über ein Bild, von welcher
        

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