Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391594
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Zulassenü, Dieselbe Pietät nun herrscht auch in dem oben mit- 
getheilten Schreiben, und nicht minder in Luti's Erwiderung 
auf Gabbianfs Antwortschreiben, worin dieser ihm seine Ansicht 
über das Bild mitgetheilt hat. Es scheint dasselbe anerkennend, 
aber nicht ohne Tadel im Einzelnen gewesen zu sein; manches 
von Gabbiani Getadelte, sagt Luti darin, habe ihm auch nicht 
gefallen, nur habe er in seiner Blindheit nicht sogleich den 
wahren Grund eingesehen. Er erbittet sich auch für die Folge 
seine Verbesserungen, um ihm als Schüler Ehre zu machen. 
Bott. ll. 76. 
Alles, was er je geleistet, sei ja eine Frucht von Gabbianfs 
Bemühungen und Lehren; denn er rühme sich auch in der 
Ferne, nie einen andern Lehrer gehabt zu haben, als ihn. Dies 
sagt er ihm in einem Briefe vom 14. Mai 1712, indem er ihn 
bittet, sein grosses Bild für den Dom von Pisa, welches Florenz 
passiren würde, in Augenschein zu nehmen und streng zu kri- 
tisiren. Bott. II. 79. Und in nicht minder rührender Weise 
schreibt er es noch am 24. December 1717 nur Gabbiani und 
seiner Verbindung mit diesem zu, als ihm die Ehre widerfuhr, 
dass sein Portrait in der Gallerie der Bildnisse berühmter Maler 
in Florenz aufgehängt wurde 1). Bott. ll. 83. 
Wie viel kann doch, wenn man in die Gemüther der Men- 
schen eindringt, selbst von Zeiten gelernt werden, die man sonst 
vornehm zu ignoriren oder schlechtweg zu verachten pflegt! 
Würde es nicht schwer werden, in unseren Tagen Beispiele 
einer ähnlichen Pietät aufzufinden? Und dabei war Luti, die 
Richtung der Zeit mochte sein, welche sie wollte, jedenfalls einer 
der grössten Meister derselben  man hat ihn wohl den letzten 
der ilorentinischen Maler genannt! 
l) Gabbiani scheint übrigens eine liebenswürdige Persönlichkeit ge- 
wesen zu sein, indem sieh eine ähnliche Liebe zu ihm auch in dem Briefe 
seines, von Luti öfter genannten Schülers T. Bedi (Rom, 10. Juni 1690, 
Bottari Il. 84) ausspricht. Dasselbe geht auch aus einem Briefe hervor, 
welchen Michel Areangelo Pallom (geboren zu Campi, im Jahre 1537) 
aus Polen an Gabbiani richtet, dessen Mitschüler in der Akademie er 
gewesen war, und worin er ihm einen Sohn und einen Neffen als Schüler 
empfiehlt. Ebd. ll. 86.
        

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