Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391527
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Das Reissen (Zeichnen) ist in Wahrheit eine nützliche und 
wackere Kunst, da man mit Schwarz und Weiss, als Dunkel und 
Licht, die Dinge meistentheils so vorstellen kann, dass man sie 
erkennt, ja, da man mit Zeichen, Buchstaben und Linien nicht 
allein alle Künste und Wissenschaften, sondern auch die Gesetze 
und den Gottesdienst fortpllanzen und ferner den Nachkommen 
allerlei Dinge auf langdauernde Zeit erhalten kann. Die Maler- 
kunst aber hat nicht allein dies Alles voraus, sondern sie ahrnet 
auch noch überdies das Leben viel netter und natürlicher nach, 
und drücket Alles viel vollkommener aus, als die Zeichenkunst 
Adies vermag, indem sie die Sitten, Nutzbarkeiten und Ergötzun- 
gen des menschlichen Geschlechts angenehm und kräftig vor 
Augen stellt und also auch zugleich das Gedachtniss und die 
Einbildung in Thatigkeit setzt. Daraus entspringt dann aber 
sicherlich grosser Vortheil und Nutzen, worunter der nicht der 
geringste ist, dass Tugend und Untugend vorgestellt werden, 
und das Alterthum und die Geschichte in frischem Gedachtniss 
bleiben, wenn sie nur die Maler richtig verstanden und nicht, wie 
es wohl zu beklagen ist, bisweilen verfälschten und vernichteten. 
Hieraus sieht man nun, was für eine vortreffliche und edle 
Kunst die Malerei ist, und man kann daraus abnehmen, in wel- 
cher Achtung ein verständiger und erfahrener Maler gehalten 
werden müsse, besonders wenn er sich gut, nüchtern, sittsam 
und bescheiden hält, wie dies denn wirklich mit seiner Kunst 
sehr wohl übereinstimmt. So ist es denn kein Wunder, dass 
wackere Künstler in denjenigen Zeiten und Ländern grosses 
Ansehen und grosse Ehre genossen haben, in denen die Wissen- 
schaften und Künste blühten und treffliche Männer durch Ehre 
und Belohnungen, wodurch dieselben allein unterhalten werden, 
aufgemuntert und angefeuert wurden. 
Und dieses würden wir mit vielen Zeugnissen aus den alten 
und neuen Historien weitläuftig beweisen können. Weil es aber 
von Andern schon zur Genüge geschehen, und Niemand daran 
zweifelt, so halten auch wir es nicht für nothwendig. Wie aber 
diese beiden Künste aufgekommen sind und welchen Fortgang
        

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