Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391503
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Ohne auf die Kunstweise Murillo's hier näher einzugehen 
(vergl. die Einleitung) bemerke ich nur, dass dem Testamente 
noch zwei Zusätze des Notars Juan Antonio Guerrero hinzuge- 
-fügt sind. Der erste lautet: wln der Stadt Sevilla am dritten 
Tage des April, im Jahre 1682, gegen sechs Uhr Nachmittags 
habe ich mich in die Wohnung des Malers Don Bartolome Mu- 
rillo, Einwohners dieser Stadt, begeben, um das Testament auf- 
zunehmen, indem ich an seinem oben stehenden letzten Willen 
die übliche Testamentsklausel zuzusetzen beabsichtigte. Nach- 
dem ich den besagten Murillo durch seinen Sohn Don Esteban 
nach seinem Namen gefragt, und er denselben genannt, und 
nachdem ich demnächst die Frage vorgelegt, ob er obiges Te- 
stament als seinen alleinigen letzten Willen betrachte, und jede 
etwa früher schon getroffene letztwillige Disposition dadurch für 
aufgehoben und ungültig erkläre, so antwortete er schon nicht 
mehr auf diese Frage, sondern gab unmittelbar darauf seinen 
Geist aufw Folgen die Unterschriften der Zeugen. Der zweite 
Zusatz enthält die Abschrift des von Guerrero begonnenen aber 
nicht vollendeten Inventariums der nachgelassenen Sachen, 
unter welchen ausser mehreren Bildern ein Mahagoni-Schreib- 
tisch von Salamanca, mit ausgeschweiften Füssen, und zwei 
BüiTets, ebenfalls von Mahagoniholz, angeführt werden. 
Zur Erläuterung des Testamentes selbst, in Welchem man 
sowohl die schwarmerische Frömmigkeit, die in Murillds Ge- 
mälden sich ausspricht, als auch den biedern und milden Sinn 
wiedererkennen wird, der ihm von seinen Biographen nachge- 
rühmt wird, genügen wenige Bemerkungen. Die Parochie, in 
der er zu Sevilla lebte, war die der Kirche von S. Cruz, deren 
Pfarrer, Don Juan Caballero, auch unter den oben erwähnten 
Zeugen vorkommt. In einer der Seitenkapellen dieser jetzt nicht 
mehr vorhandenen Kirche befand sich ein schönes Bild von Pe- 
dro Campaüa, worauf die Abnahme Christi vom Kreuze darge- 
stellt war. Vor diesem Bilde stand Murillo oft in Gebet und 
schwärmerische Beschauung versunken. Als ihn einst der we- 
gen des Schlusses der Kirche mahnende Sakristan fragte, wes- 
halb er hier so lange Stände, erwiderte er: wich warte, bis es 
diesen heiligen Männern gelingen wird, unsern Herrn vom 
Kreuze zu nßhnlenlß In dem Gewölbe derselben Kapelle wurde 
er begraben. "Er starb in den Armen seines Freundes und 
Schülers Don Pedro Nuüez de Villavicencio, Ritter des Or- 
dens vom heil. Johannes, nachdem er zu Erben seine beiden 
Söhne eingesetzt hatte, Don Gabriel, der sich damals in Amerika
        

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