Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387869
XXXVI 
ganz unzweifelhaft einer entgegengesetzten Richtung zuneigt. 
uDIG ersten Thätigkeiten Urbanis VlIIw, sagt Ranke, vfielen in 
die Zeiten der Opposition des päpstlichen Fürstenthums gegen 
Spanien, der Herstellung eines katholischen Frankreich. Wir 
finden, dass nun auch seine Neigung sich vorzugsweise diesen 
Richtungen hingabc. Rein kirchliche Interessen sind UrbanVllI. 
fremd; statt der Andachtsbücher sieht man wieder Poesien auf 
dem Arbeitstische des Papstes; er selbst beschäftigt sich mit 
der Dichtkunst im Sinne einer früheren Zeit, ohne ascetischen 
Eifer, mehr der antiken Auffassung zugeneigt. Vor Allem aber 
liegt ihm die weltliche Macht des Kirchenstaates am Herzen. 
Das spanische Uebergewicht machtdie Ausdehnung der letz- 
teren unmöglich; kein Wunder, dass Urban VIII. sich der fran- 
zösischen Weltmacht, dem alten Rivalen Spaniens, zuwendete. 
Damit waren zugleich die Ansprüche jener strengen und zelo- 
tischen Auffassung der Kirche gebrochen, in der Spanien oft 
weiter, als die Päpste selbst, gegangen war 1); denn in dem 
grossen Kampfe, der damals auch die katholische Welt in Be- 
wegung setzte, hat Frankreich immer die mildere und weniger 
eifernde Auffassung der Kirche vertreten. Wenn man diese 
Verhältnisse, in denen sich das innerste Leben der Zeit selbst 
ausspricht, schon in kunstgeschichtlicher Beziehung beachtet 
hätte, so würde man gefunden haben, dass auch die Kunst- 
übung der Zeit jenem Umschwunge der leitenden und bestim- 
menden Ideen in überraschender Weise nachfolgt. Nicht dass 
die Akademiker plötzlich ihre Wirksamkeit verloren hatten  
sie sind ihrer Parthei treu geblieben und noch lange in deren 
Sinne thätig gewesen. Aber mit ihrer öffentlichen Geltung, mit 
1) Als Papst Sixtus V. sich dem Könige Heinrich IV. von Frankreich 
zuneigte, predigten die stets der spanischen Parthei ergebenen Jesuiten 
gegen ihn, und Olivarez, orthodoxer als der Papst selbst, durfte demselben in 
seiner eigenen Residenz Maassregeln im spanischen Interesse aufzwingen.
        

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