Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391360
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meinerSeite mit dem Bilde zur rechten Zeit zum Feste fertig 
zu werden. 
Diese Verpflichtung hat mich nun nicht allein von aller Be- 
schäftigung mit der Feder, sondern von allen übrigen Dingen 
dieser Welt ferngehalten und ich kann Euch sagen, dass ich 
fast das Essen vergessen habe. Mein Fleiss ist ein so anstren- 
gender gewesen, dass ich gegen das Ende gezwungen war, mich 
auf zwei Tage ins Bett zu legen. Und wenn ich mir nicht mit 
einem Brechmittel geholfen hätte, wahrhaftig es wäre mir übel 
bekommen, indem sich nämlich einige unverdaute Speisereste 
im Magen angesammelt hatten. Darum also, mein Freund! habt 
Nachsicht mit mir, wenn ich wegen des Ruhmes meines Pinsels, 
die Pflichten, die ich mit der Feder gegen Euch zu erfüllen 
habe, etwas vernachlässige. 
Es sind zwei Tage, dass ich an dem Bilde des h. Torpe ar- 
beite; wenn es fertig ist, werde ich Euch gleich Nachricht davon 
geben. Unterdess bitte ich Euch, mir wohlzuwollen und an un- 
ser Wiedersehen zu denken, indem es mir bald unmöglich wird, 
dies noch langer aufzuschieben. Die Signora Lucrezia, die sich 
nicht allzuwohl befindet, und Augusto, dem es nicht viel besser 
geht, grüssen Euch und sehnen sich darnach, Euch wiederzu- 
sehen, und den ganzen Tag über wird von den Erinnerungen der 
Ereignisse und Erlebnisse zu Strozzavolpe gesprochen. Dem 
Signor Fabretti gebt in meinem Namen einen Kuss, während 
ich Euch von ganzer Seele umarme. 
N. S. Der Doktor Oliva grüsst Euch. 
Der von Bottari Raecolta II. 39. mitgetheilte Brief bedarf 
nur Weniger Erläuterungen. Lange hatte sich der Künstler die 
Gelegenheit ersehnt, eines seiner Werke als Altarsehmuck öf- 
fentlich ausgestellt zu sehen. Um so eifriger war in der letzten 
Zeit seines Lebens dies Verlangen geworden, als ein früheres 
Werk, das diese Bestimmung gehabt hatte, durch die Bänke 
eines Nebenbuhlers von dem Altare, den es eingenommen, wieder 
entfernt worden war. Nun gab ihm der Marchese Filippo Nerli
        

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