Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391305
ÖÖZ 
kommen lassen. In meiner Stube wird das Feuer gar nicht aus- 
gelöscht, und mit noch grösserem Eifer als der Cavaliere Cigoli 
bin ich damit beschäftigt, jede Ritze die nur irgend in meiner 
Wohnung ist, sorgfältig zuzustopfen, und doch kann ich mich 
nicht erwärmen, noch glaube ich, dass die Fackeln Cupidds 
und die Umarmungen einer Phryne mich zu erwärmen im 
Stande wären. 
Von allen anderen Dingen sprechen meine Lippen, als von 
Pinsel und Malen; die Bilder stehen gegen die Wand gekehrt, 
die Farben sind ganz und gar zu Stein eingetrocknet, noch we- 
ben andere Gedanken in mir, als Kamine, Kohlenpfannen, Bett- 
wärmer, Muffen, Pelzhandschuh, wollene Socken und gefütterte 
Mützen und andere Dinge ähnlichen Schlages. In der That, 
mein Freund, ich sehe, dass ich von meiner gewohnten Wärme 
sehr verloren habe, und es ist wirklich wahr! ich bin dahin ge- 
kommen, ganze Tage ohne zu sprechen hinzubringen, und jene 
Gluth, die mich einst beseelte, betrachte ich als gänzlich ver- 
raucht. Weh mir, mein Freund! wenn ich mich in der Noth- 
Wendigkeit befände, den Pinsel aus Bedürfniss zu führen  ich 
glaube, ich wäre gezwungen, unter diesem Joche zu sterben, 
oder die Kunst zu Grunde zu richten. 
YVenn lhr mich aber fragt, womit ich denn den Tag wäh- 
rend der Wintermonate verbringe, so würde ich Euch darauf 
antworten, an heiteren Tagen laufe ich allein umher, wie ein 
Narr, indem ich mir alle einsamen und verlassenen Orte in die- 
ser Gegend aufsuche. Sind die Tage schlecht, so bin ich wie ein 
Rasender zu Hause eingeschlossen, spaziere umher oder lese ein 
Buch, oder höre allerhand Klatschereien mehr mit an, als dass 
ich mich selbst daran betheilige. Es vergeht keine Woche, 
ohne dass ich um Bilder ersucht würde, so dass ich von Vielen 
über alle Maassen getadelt werde; aber ich lasse sie singen, 
denn der Löffel kennt sehr wohl die Angelegenheiten des 
Topfes. Aber wir wollen uns lieber von weniger melancholischen 
Dingen unterhalten. Diesen Morgen bin ich ein Paar Stunden 
mit unserm Signor Francesßo zusammen gewesen, der hier nahe
        

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