Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391289
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jetzt hinlänglich gekannt bin, wenn nicht von Euch, so doch von 
der ganzen übrigen Welt. Ich gestehe Euch, dass Ihr mir, so 
lange ich Euch kenne, nie mehr als dies Mal missfallen habt, 
und ich würde es nie für möglich gehalten haben, dass ein 
Freund wie Ihr, mich in einer Sache verletzen würde, wcrin 
ich weiss ein besseres Lob zu verdienen. 
Malern von meiner Stellung und aussergewöhnlichem 
Geiste 1) muss man, mit Ausnahme des Maasses, alles Uebrige 
ganz nach ihrem freien Ermessen überlassen  so würde ich 
gegen Euch in ähnlicher Lage gehandelt haben  und sich 
nicht vermessen, Familienväter belehren zu wollen, wie sie zu 
Söhnen zu kommen haben. Man muss den Genius dessen, der 
zu arbeiten hat, unterstützen und ich glaube, dass jede, wenn 
auch kleine Arbeit eines klassischen Malers Lob und Preis von 
dem, der sich wahrhaft darauf versteht, verdient, und ich er- 
innere Euch daran, dass ein einziger Vers Homer's mehr Werth 
hat, als ein ganzes Gedicht eines Ghoerilus. Mehr will ich nun 
nicht sagen, um nicht dem Zorne Baum zu geben, in den Ihr 
mich versetzt habt. Bei Gott, wer hat je eine grössere Dumm- 
heit vernommen als diese? Zu glauben, man könne einen 
Freund, der Maler ist, an der Zahl der Figuren erproben! 
O Freund, spart diese Eure Chikanen für die Dichtungen auf, 
und nicht für mein Gemüth, das sich in Bezug auf Euch keines 
Vorwurfs bewusst ist; und wenn dies von meiner übergrossen 
Offenheit und Freiheit im Sprechen herrührt, so verspreche ich 
Euch, in Zukunft bei ähnlichen Neckereien Euch von meiner 
Seite noch Schmeicheleien zu sagen. Ich grüsse Alle in der 
Familie und Euch umarme ich von Herzen. 
Die Entzweiung der beiden Freunde, von welcher der 
obige Brief (Bottari I. 458) Zeugniss giebt, scheint bald der 
alten Freundschaft gewichen zu sein. Ein Brief Salvat0r's vom 
21. Oktober 1665 deutet wieder auf einen sehr innigen Verkehr 
Di mia 
stravagante. 
genio 
condizione
        

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