Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387843
XXXIV 
der Personen und Zeiten. vEs wird sich in der Regel findena, 
sagt Ranke, wdass die Zeit, in der ein Mensch seine entscheidende 
Richtung ergreift, in die erste Blüthe der männlichen Jahre fällt, 
in denen er an Staat oder Literatur einen selbstthätigen Antheil 
zu nehmen anfängt. Die Jugend Paul's V., geboren 1552, und 
Gregors XV., geboren 1554, gehörte in eine.Epoche, in welcher 
die Principien der katholischen Restauration in vollem unge- 
brochenen Schwunge vorwärts schritten: auch sie wurden von 
denselben erfüllte. Nun ist zu bemerken, dass der Begründer 
der akademischen Schule zu derselben Zeit (1555) geboren ist, 
und auch Agostino und Annibale nur um weniges jünger sind. 
So sind sie, namentlich Lodovico, denselben Einflüssen ausge- 
setzt gewesen, unter denen jene Päpste ihre bestimmte Richtung 
erhalten haben, und es ist nicht ohne einen tief innerlichen 
Zusammenhang, dass gerade diese beiden Päpste, die Wieder- 
hersteller des Katholicismus, als die eigentlichen Gönner und 
Beförderer der Caracci und ihrer Schule aufgetreten sind. PaulV., 
jener von fast schwärmerischer Auffassung des Papstthums e1-_ 
füllte und dabei bis zur Grausamkeit unbeugsame Kirchenfürst, 
war der erklärte Gönner und Freund Guido Reni's, zu dem er in 
einem ähnlichen Verhältnisse stand, als einst Julius II. zu Michel 
Angelo (S. 79.  Gregor XV. dagegen, jener milde und lie- 
benswürdige Kompatriot der Caracci, war, wie seine Familie 
überhaupt, schon als Kardinal Alessandro Ludovisi den Caracci 
1) lm Uebrigen wendete Paul V. seine Thätigkeit mehr der Baukunst 
zu, und er namentlich ist es, der im Wettkampf mit dem nicht minder 
haulusligen Sixtus V., den modernen Bauten Roms jenen äusserlieh impo- 
nirenden und pomphaften Charakter aufgeprägt hat, auf den schon oben 
hingewiesen wurde. Unter ihm fand, aus angeblich kirchlichen, eigentlich 
aber rein äusserliehen Motiven, jene unglückliche Erweiterung der Peters- 
Kirche statt, welche, indem sie von dem einst durch päpstliche Breven 
geschützten Plane Michel Angela's abwich, zugleichden ästhetischen Ein- 
dmck des grossen Bauwerkes in so empfindlicher Weise beeinträchtigt.
        

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