Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387832
XXXIII 
ich glaube, dass die Schule der Caracci allein nicht als einziges 
Beispiel dieses Einflusses der kirchlichen Restauration betrachtet 
werden darf; auch ihre Gegner, die Naturalisten, scheinen mir, 
Wenn auch in einem anderen Sinne, einen gewissen Anthcil 
daran zu haben. Hat doch jene Restauration selbst ihre zwei 
sehr verschiedenen Seiten. Einmal allerdings hat sie jene Rei- 
nigung der Sitte und jene Verinnerlichung der katholischen 
Welt hervorgerufen, wie sie sich an den Caracci nachweisen 
lässt; andererseits aber hat sie indess nicht minder eine Welt 
düsteren Aberglaubens und blutiger Intoleranz gefördert, und 
nur allzu oft durch die Blutströme von tausend und aber tau- 
send Andersdenkenden die Sache des wieder zur Herrschaft 
strebenden Katholicismus befleckt und geschändet. Auch den 
Einflüssen dieses düsteren Geistes vermochte sich die Kunst 
nicht ganz zu entziehen, und ich glaube nicht ganz irre zu ge- 
hen, wenn ich die Anklänge und Rückwirkungen desselben in 
jenen zahlreichen Martyrienbildern zu erkennen glaube, wie sie 
die Naturalisten (und nicht blos diese allein) so oft und mit so 
grosser Vorliebe gemalt haben; vor Allen Spagnoletto, der nicht 
müde wird, den geschundenen h. Bartholomäus, den mit Pfeilen 
durchbohrten h. Sebastian, den gekreuzigten h. Andreas, den im 
Ofen gebratenen h. Januarius und den auf dem Rost verbrann- 
ten h. Laurentius darzustellen, ohne'dem Beschauer auch nur 
eine Widerwärtigkeit dieser Ekel und Grauen erregenden Vor- 
gänge zu ersparen. 
So sehen wir, wie jene Restauration des Katholicismus, 
sowohl nach ihren guten, als auch nach ihren schlimmen Seiten, 
zum Ausdruck in der Kunst gelangt ist, und man könnte sagen, 
dass fortan kein neues Element im Leben des siebzehnten Jahr- 
hunderts hervorgetreten sei, das nicht ebenfalls in der Kunst- 
übung der Zeit Ausdruck und Gestalt gewonnen hättß- Und 
zwar geschieht dies mit einer merkwürdigen Uebereinstimmung 
Künstler-Briefe. n. m
        

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