Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391099
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welchen letzteren man die Porträts der Maler selbst erkennen 
möchte.  Dann ereifert er sich gegen Diejenigen, w-elche Spitz- 
buben, Bettler und allerhand Lumpengesindel malen, ohne zu 
bedenken, dass er selber einst mit derartigen Bildern begonnen 
hatte;  und doch würden solche Bilder von grossen Herren ge- 
kauft, vielleicht, weil sie sich daran erinnern wollten, dass ihrc 
Vorfahren auch Spitzbuben und Bettler gewesen seien. Aller- 
dings gäbe es auch Bettler genug; mit ihren Steuern hatten die 
Fürsten die ganze Welt an den Bettelstab gebracht, und wenn 
das so fortginge, so würden die Menschen bald nicht blos ohne 
Kleider, sondern auch ohne Haut gemalt werden müssen.  
Habe ein Maler dann aber erst etwas Ruhm erlangt, so ruhe er 
auf seinen Lorbeern aus, seine Arbeiten werden immer schlech- 
ter, und er selbst wird ganz sanftiglich ein Esel, ndolcemente 
diventa un asinaccioa. Dann kommen die Betrügereien der Ma- 
ler an die Reihe, die mit einem gewissen Firniss neue Bilder als 
alte erscheinen lassen, und es wird der Hochmuth und Dünkel 
der Künstler verspottet, die sich nur loben lassen wollen, was 
Salvator allerdings aus eigener Erfahrung am besten wissen 
musste. Danach wird Michel Angelo auf das heftigste wegen 
der Nacktheiten in seinem jüngsten Gericht getadelt (vergl. 
Künstler-Briefe I. 213). Höchst eigenthümlich ist es, dass Sal- 
vator sodann gegen die Künstler eifert, die sich Kavaliere nen- 
nen, da kaum irgend ein Anderer so sehr um äussere Ehre be- 
müht war, als er. Er vergleicht jene vornehmen [Künstler mit 
feurigen Bossen, die allmälig zu Karrengaulen degradirt werden. 
Und nun fasst er die vermeintlichen oder wirklichen Schwachen 
und Laster seiner künstlerischen Gegner in dem Bilde eines 
Affen zusammen, der zu einem Maler in die Lehre geht, und 
seinem Lehrer dann später eine fulminante Strafrede halt, worin 
ihm alle möglichen Laster und Betrügereien vorgeworfen wer- 
den. Das Ganze schliesst mit heftigen Schmahungen gegen die 
Maler nackter Figuren und unzüchtiger Gegenstände, ähnlich 
wie solche in dem oben angeführten Buche von Ottonelli 
enthalten sind (S. 123  und man muss sich über die Ge- 
müthsruhe wundern, mit der Salvator auf die Darstellung von 
Bacchanalen schelten kann, während er doch selbst ein solches 
gemalt hat! Ebenso verdammt er es, zu solchen Zwecken 56-1 
liebte Personen zum Modell zu nehmen, während ihm doch 
selbst seine Freundin Lucrezia als Modell zuden nackten Figu- 
ren jenes Bacchanales gedient hat! S0 erscheint das Gedicht 
mehr als der Erguss eines verhitterten leidenschaftlichen Ge-
        

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