Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391088
älU 
kaufte sich auf dem Monte Pincio ein Haus zwischen denen 
Claude Lorrain's und Poussiifs und begann nun auch hier ein 
stattliches Leben zu führen, von dessen Leiden und Freu- 
den die nachfolgenden Briefe mancherlei Kunde geben. Hier 
sei schliesslich nur noch seiner dichterischen Thatigkeit er- 
wähnt. Es ist für seine ganze Sinnesrichtung sehr bezeich- 
nend, dass er seine Ansichten über die damaligen Zu- 
Stände in Bezug auf Politik und Leben, Poesie und Musik 
(er war selbst nicht unbedeutender Komponist) in Satyren 
aussprach, die ihm, wie wir weiter unten sehen Werden, später 
mancherlei Kummer veranlassten. Für uns hat die grösste Be- 
deutung die Satyre über die Malerei, worin er die Schwachen 
der damaligen Künstler mit scharfen Geisselhieben züchtigt, von 
denen einige allerdings auch ihn selber treffen. Er beginnt das 
Gedicht mit einer etwas schwerfällig und übergelehrt eingelei- 
teten Schilderung der allgemeinen Sittenverderbniss. Nur von 
Genusssucht, Neid, Faulheit, Zorn und Schwelgerei Werde die 
entweihte Erde regiert; Geiz und Hochmuth haben die Sitten 
zerfressen, mit vollen Segeln steuere man auf das Verderben 
los. S0 denkend habe er plötzlich eine wunderbare Erscheinung 
erblickt. Er solle sich nicht um das allgemeine Verderben be- 
kümmern, herrscht ihm die phantastische Gestalt zu, auf sich 
selber und auf seine eigene Kunst solle er blicken. Von man- 
nigfacher Schmach sei die Malerei besudelt, gegen Gott und 
Natur im Kampf begriffen, infarn in den Händen vieler Meister 
geworden; gegen diese solle er kämpfen und seinen Zorn aus- 
lassen, wie er es schon gegen die Poesie und die Musik gethan 
habe. Nun erfüllt ihm eine göttliche Wuth die Brust, und er 
beginnt seine Strafrede, nicht aber ohne sein eigenes Lob vor- 
auszuschicken. Nur seinem Genius folge er, nur dem Rubine 
strebe er nach, ferne sei er von Interesse und Neid.  Unend- 
lich gross sei die Zahl der Maler, itutto pittori e il mondoa, 
aber unter der ganzen Menge würde man vergeblich auch nur 
zwei suchen, die Kenntniss von den Wissenschaften hätten. 
Vier Fünftel von denen, die da malen, könnten nicht einmal 
lesen; die Alten wunderten sich einst, dass ein Elephant grie- 
chisch zu schreiben gelernt hatte  was würden sie dazu sagen, 
dass jetzt die Ochsen malen? Geschichte und die Fabeln und 
die Gebrauche der verschiedenen Zeiten müsste ein guter Male;- 
kennen. Habe doch selbst Rafael den Verstoss gemacht, Adam 
eine Hacke in die Hand zu geben!  Lächerlich sei es, Blumen, 
Früchte, s. g. Stillleben, Vögel und andere Thiere zu malen, in
        

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