Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391076
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ihn am andern Morgen auf der Strasse weder grüssten noch 
kannten; eine Erfahrung, die den ehrsüchtigen Künstler oft auf 
das Tiefste gekränkt haben soll. Mit diesem heiteren Leben in 
der Stadt wechselten Besuche auf dem Lande ab. Namentlich 
lebte Salvator öfter bei Volterra, wo ihm seine Freunde, die Ge- 
brüder Maffei auf ihren Villen Barbajana und Monterufoli auf 
mehrere Jahre einen angenehmen und sorgenfreien Aufenthalts- 
Ort gewährten. Auch hier spielte man wieder Komödie, zu 
deren Vorstellungen sich auch die anderen Freunde, namentlich 
Ricciardi einfanden. Rosa glänzte in der Rolle des Patacca, eines 
schlauen, verschmitzten Dieners. Auch soll er hier den grösse- 
ren Theil seiner Satyren geschrieben haben. In die letzte Zeit 
seines Aufenthaltes in Toskana fällt die neapolitanische Revo- 
lution (1647), an der er, nach Dominici, als Anhänger Masaniellds 
Theil genommen haben soll. Diese Nachricht, gegen welche die 
Gesinnung Salvatofs keinen Beweis liefern würde, wird dadurch 
unwahrscheinlich, dass Dominici Salvator schon vor dem Aus- 
bruch der Revolution in Neapel leben und ihn unmittelbar dar- 
auf nach Rom gehen lässt. Dies streitet gegen die Nachrichten 
Baldinuccfs 1) über den toskanischen Aufenthalt, die, als von 
einem Augenzeugen ausgehend, mehr Glauben verdienen, als 
Dominici, welcher, nach seiner eigenen Angabe, aus der Volks- 
sage geschöpft hat. Das Eine allerdings wäre, wenn auch nicht 
wahrscheinlich, doch möglich, dass Salvator bei der Nachricht 
des Aufstandes Toskana verlassen und nach der raschen Unter- 
drückung desselben wieder dorthin zurückgekehrt sei. Wie dem 
aber auch sei, so scheint es sicher, dass Salvator lebhafte Sym- 
pathien für diese Revolution und namentlich deren Haupthelden 
Masaniello gehabt hat, wie aus mehreren Stellen seiner Satyren 
hervorgeht. Nachdem die Verbindung mit der toskanischen 
Fürstenfamilie gelöst war  noch jetzt ist der Palast Pitti reich 
an Werken unseres Künstlers  ging Salvator in Gemeinschaft 
einer Freundin mit Namen Lucrezia, die er in V olterra als M0- 
dell benutzt hatte und die ihm später zwei Söhne gebar, nach 
Rom, wo er mit lächerlichem Pomp seinen Einzug hielt. Er 
l) Von den gleichzeitigen Biographen Rosa's hat Passeri den meisten 
Werth für den römischen, Baldinueci für den llorenlinisehen Aufenthalt 
des Künstlers. Dominici behandelt vorzugsweise die Erlebnisse Bosa's in 
Neapel. Lady Morgan hat eine durchaus romanhafte Lebensgeschichte 
llosa's geschrieben. Der Chevalier De Angelis, welcher dieselbe in Selnem 
Artikel übßf Rosa in der "Biographie universelle" sehr lebhaft tadelt, kann 
Selbst nicht ganz von diesem Vorwurf freigesprochen werden-
        

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