Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391058
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wodurch er später befähigt wurde, dem Naturalismus Seiner 
KIIIISi-Üßbllllg einen gewissen höheren Adel zu geben. Früh 
gab er den Unterricht bei den gelehrten Vätern auf und folgte 
seinem phantastischen Genius, der ihn in die Einöden der Ge- 
birge trieb, wo er unter Abenteuern mancherlei Art {leissig nach 
der Natur zeichnete und malte. Seine verwandtschaftlichen Be- 
ziehungen zu einem der naturalistischen Maler Neapels und seine 
Bekanntschaft mit dem Hauptmeister dieser Schule, Spagnoletto, 
bestärkten ihn noch mehr in seiner natürlichen Neigung und 
gaben seiner Kunstweise eine bestimmtere Richtung. Wenn er 
bisher aus Laune gemalt, so sollte ihn bald die Noth zur Aus- 
übung seiner Kunst zwingen, indem nach dem Tode des Vaters 
die Sorge für die Familie ihm zugefallen war. Es ist bekannt, 
wie er unter Noth und Entbehrungen für die Trödler um karg- 
lichen Lohn arbeitete. Der Umstand, dass Lanfranco einmal 
eines seiner Bilder, I-Iagar in der Wüste vorstellend, kauftel) 
und nach allen mit dem Namen wSalvatoriellor bezeichne- 
ten Bildern forschen liess, brachte ihn in besseren Kredit und 
hob vor Allem sein Selbstgefühl. Bald genügten ihm die engen 
Verhältnisse in der Heimath nicht mehr; er ging von jenem 
Durst nach Anerkennung und Ehre getrieben, den wir schon 
hervorgehoben haben, nach Rom (1635), nicht etwa um zu stu- 
diren und sich auszubilden, sondern um so rasch als möglich 
Geld und Ehre zu verdienen. Die Gegenstände, die er behan- 
delte, waren niederer und gemeiner Art. Er malte, wie Passeri 
sagt, woggetti vili cioe Baroni (Spitzbuben), galeotti (Galeeren- 
sträflinge) e marinarir. Der Erfolg aber entsprach zunächst 
seinen Erwartungen durchaus nicht; es scheint ihn sogar die 
Noth wieder nach der Heimath zurückgetrieben zu haben. Doch 
ging er bald zum zweiten Male nach Rom und nun Enden wir 
ihn (1639), um jenen Drang nach Geltung und Beifall zu befrie- 
digen, der ihn nie zu eigentlicher Ruhe gelangen liess, auf einer 
ärmlichen Bühne wieder, von wo aus er als Signor Formica das 
römische Volk mit seinen Witz- und Spottreden zu tobendem 
Gelächter und Beifall hinriss. Nun ward ihm wohl und, ohne 
1) Dies Bild war mit einer so ergreifenden Tiefe der Empfindung 
gemalt, dass Lanfranco dasselbe während seines ganzen Lebens Sehr 
hoch geschätzt haben soll. Es scheint, als ob das Weh des eigenen Lebens 
den jungen Künstler zu der Darstellung dieses Gegenstandes geführt habe- 
Üeberhaupt liegt in jenen frühen unßlüekliehen Verhältnissen Salvatofs der 
Schlüssel zu manchen Eigenthümliähkeiten seines Charakters und Seiner 
Kunstweise. 
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