Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1391032
305 
düsteren Styl eines Caravaggio und Spagnolettol) zum letzten 
Abschluss gebracht und  dies darf nicht verkannt werden  
veredelt hat. Er hat ihn geläutert, einmal durch ein wirklich 
tiefes und inniges Naturgefühl, das sich namentlich in seinen  
von ihm selbst gering geschätzten  Landschaften bekundet 
(Waagen, Kunst in England I. 249) und andererseits durch die 
klassische Bildung, die, wie jede andere Bildung, jenen Meistern 
fremd war. 
Auch in dem Leben und dem Charakter dieser beiden 
Künstler zeigt sich ein solcher Gegensatz. Poussin war in seinem 
ganzen Wesen ernst, würdig, strenge; Salvator lebhaft und lei- 
denschaftlich; am liebstenvspielte er Komödie, auch darin ein 
achtes Kind Neapels; Poussin war in allem seinem Thun beson- 
nen und über-legend; Rosa handelte meist nach dem Impuls 
der Laune und der Leidenschaft. Es ist sehr bezeichnend, dass 
seine Biographen als Motiv seiner Handlungen und Entschlüsse 
sehr häufig seinen vpruritoa anführen, dies oder das zu thun. 
Prurito ist der Kitzel der zufälligen Laune. Aus prurito sei er 
Maler geworden, aus prurito sei er später von Rom nach Neapel 
zurückgekehrt, aus prurito habe er Komödie gespielt, sagt Passeri. 
Aus prurito habe er sich der Dichtkunst gewidmet, bemerkt Bal- 
dinucci, und aus prurito wollte er später den Philosophen spielen. 
Poussin war milde im Urtheil; Salvator scharf und beissend, im 
Leben wie in der Poesie Satyriker in einem so hohen Grade, 
dass er oft schwer an den Folgen seiner Urtheile zu leiden hat. 
Poussin war in seiner Lebensweise einfach, ruhig, fast einsam; 
Salvator konnte sich das Leben nie bewegt genug gestalten; sein 
Haus hatte er immer voll von Menschen, die er entweder mit 
üppigen Gastmählern oder mit Vorlesung seiner eigenen Werke 
regalirte  beides mit gleichem Pomp und Anspruch. Poussin 
arbeitete in gesammelter Stimmung, alle Eile war ihm verhasst; 
Salvator ist auch bei der Arbeit immer in Aufregung, erst zer- 
bricht er sich den Kopf oder quält den Freund, neue und noch 
nicht dargestellte Gedanken aufzufinden; bei der ungemein 
raschen Ausführung ist er sodann in steter leidenschaftlicher 
Bewegung; wenn er Schlachtenbilder malt, kommt er sich selbst 
wie eine Alekto vor; gilt es einen grossen Erfolg zu erreichen, 
so arbeitet er nach seinen eigenen Worten wie im Todeskampfel 
Poussin, wie er mit Sammlung arbeitet, erstrebt eine ruhlge 
1) Zu der Familie Salvator's gehörten mehrere unbedenutende KüflSllßr 
dieser Schule, durch deren Vorbild er selbst zur Malerei 86mm W"rde' 
Künstler-Briefe. XL 20
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.