Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390962
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Urtheil über ein Werk abgiebt, das damals handschriftlich in 
Rom bekannt geworden war. "Wir haben hierw, sagt er darin, 
 (es kann Passeri oder Bellori gemeint sein), welcher 
über die Werke der neueren Maler und deren Leben schreibt. 
Sein Styl ist schwülstig, ohne Salz und Kenntniss; er handelt 
von der Malerei, wie einer, der weder die Theorie noch die 
Praxis derselben kennh. Namentlich scheint es die Schwülstig- 
keit zu sein, die fast allen gleichzeitigen Schriftstellern eigen war, 
die das ungünstige Urtheil Poussin's motivirte, der sich die Klar- 
heit und Schärfe des Verstandes, die er in allen seinen Werken 
bekundet hat, bis an das Ende seines Lebens bewahrte. Passeri's 
Werk ist allerdings erst bei weitem später gedruckt worden, es 
cirkulirte aber in Abschriften in Rom und Poussin mochte in 
einigen Mittheilungen aus seiner Jugendgeschichte wohl Grund 
haben, dem Verfasser etwas böse zu sein. Schon damals übrigens 
(Januar 1665) war er von dem baldigen Herannahen des Todes 
überzeugt. ßMeine gewöhnlichen Leiden", sagte er, "sind noch 
grösser geworden, durch eine schlimme Erkältung, welche lange 
anhält und mich sehr quält. Jetzt muss ich Ihnen für Ihr freund- 
liches Andenken meinen Dank sagen, und zugleich für den mir 
erwiesenen Gefallen, indem Sie den früheren Wunsch des Prin- 
zen, etwas von meiner Arbeit zu besitzen, nicht wieder angefacht 
haben. Ich bin zu schwach geworden und die Gicht verhindert 
mich am Arbeiten. Auch habe ich schon seit einiger Zeit die 
Pinsel ganz aus der Hand gelegt, indem ich nur daran denke, 
mich auf den Tod vorzubereiten, dem ich körperlich sehr nahe bin. 
Mit mir ist es vorüberu! Seine Ahnung tauschte ihn nicht. Doch 
erhielt die Flamme dieses regen Geistes den Körper noch fast ein 
Jahr aufrecht 1). Poussin starb am 19. Novbr. 1665, im Alter von 
71 Jahren und 5 Monaten. Am Tage darauf wurde in der Kirche 
S. Lorenzo in Lucina die Leiche ausgestellt und bald darauf bei- 
gesetzt. Grosse Feierlichkeiten hatte er sich in seinem Testa- 
ment verbeten. Doch wohnten die Mitglieder der Akademie von 
S. Luca der kirchlichen Feier bei, an der auch das ganze rö- 
mische Volk mit tiefer Trauer Antheil nahm. 
l) Am 31. Oktober 1665 schreibt Salvator 
„Wir glauben hier, dass Herr Poussin schon 
dieser Welt angehört". 
Rosa 
mehr 
an G. B. Ricciardi: 
jener anderen, als
        

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