Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387816
AAAL 
angeführt. Sie zeigen in der That, wie die Restauration der 
Kirche auf die Kunst, und zwar in günstigem Sinne, einwirkte. 
"Kunst und Poesiea, sagt Ranke, rermangelten eines Inhaltes, 
des lebendigen Gegenstandes, die Kirche gab ihnen denselben 
wiedert. Wie dadurch die Stellung des Künstlers zu seinem 
Kunstwerke eine durchaus andere geworden, hat Ranke eben- 
falls nachgewiesen. Ich will seine treffenden Bemerkungen hier 
nicht wiederholen. Wohl aber kann manches zur Bestätigung 
derselben noch angeführt werden. Ich rechne dahin vor Allem 
die von Domenichino mitgetheilte Aeusserung, wdass man selbst 
empfinden müsse, was man darstellte. Und in der That, alle 
Werke dieser Zeit tragen einen solchen Stempel subjektiver 
Empfindung an sich. Die vkirchliche Sentimentalität und Hin- 
gerissenheita, die fortan, nach Ranke's Bemerkung, eine so we- 
sentliche Eigenschaft des Zeitgeistes wird, zeigt sich auch den 
meisten der gleichzeitigen Künstler. Das religiöse Gefühl war 
allerdings auch schon bei den Meistern der Blüthezeit vorhan- 
den; aber in mehr naiver und unbewusster Weise. Es tritt jetzt 
mit Bewusstsein und Absichtlichkeit hervor. Die eigentlichen 
Devotionsbilder fangen an, Epoche zu machen. Die heilige Fa- 
milie, um hier nur ein Beispiel hervorzuheben, war früher so 
unendlich oft dargestellt worden wegen der künstlerischen Be- 
deutsamkeit des Gegenstandes. Man hatte sie objektiv als ein 
rein menschliches, an sich schönes Verhaltniss dargestellt. Nun 
wird derselbe Gegenstand mit Vorliebe so geschildert, dass Maria 
mit dem Kinde irgend einem Heiligen erscheint; in einerVision, 
die nun natürlich als Grund der Verzückung desselben benutzt 
Wird. Ueberall tritt ein docirendes Element hervor. Man sieht, 
die Kunst ist nicht blos von den erneuten Ideen der Kirche er- 
füllt, sie ist in den Dienst der Kirche getreten.  Je mehr dies 
kirchliche Interesse hervortritt, um so mehr tritt das Pein 
künstlerische, das bisher geherrscht, zurück. III Bauten wird 
dies durch die Entfaltung eines gewissen Pompes und milterißllßr
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.