Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Künstler des siebzehnten Jahrhunderts
Person:
Guhl, Ernst
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1387345
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1390953
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Virgifs, den Niemand auffinden noch brechen darf, er sei denn 
vom Schicksal dazu bestimmt. Diese neun Theile enthalten 
manches, was werth wäre, von guten und gelehrten Händen be- 
handelt zu werden. 
Ich ersuche Sie, diese geringe Probe in Betracht zu zighen 
und mir ohne alle (Zeremonien Ihre Meinung darüber zu sagen: 
ich habe selbst schon die Erfahrung gemacht, dass Sie nicht 
blos die Lampe putzen, sondern auch gutes Oel darauf giessen 
können. Ich möchte gern mehr sagen, wenn ich mir aber jetzt 
die Stirn durch eine zu grosse Aufmerksamkeit erhitze, so habe 
ich davon gleich zu leiden. Ueberdies erfüllt es mich immer mit 
Beschämung, mich in Ihrem Werke mit Männern zusammenge- 
stellt zu sehen, deren Verdienste und Fähigkeiten die meinigen 
um so viel überragen, wie der Stern des Saturnus unsere Köpfe: 
ich verdanke dies Ihrer Freundschaft, die mich in Ihren Augen 
bei weitem grösser erscheinen lässt, als ich in Wahrheit bin. Ich 
sage Ihnen meinen Dank dafür und verbleibe, mein Herr! auf 
immer Ihr ergcbenster Poussin. 
N. S. Herrn von Chantelou, Ihrem Bruder, küsse ich ganz 
ergebenst die Hand. 
Lettres du Poussin p. 346.  Wenn man die vorher- 
gehenden Briefe vergleicht, die schon fast mit Todes-Ahnungen 
durchzogen sind, und wenn man sich die mannigfaltigen Leiden 
vergegenwärtigt, die zu denen des Alters noch hinzukamen, 
um Poussin die letzten Lebensjahre zu verbittern, so kann man 
nicht genug die Freiheit des Geistes bewundern, mit der er sich 
in dem obigen Briefe, bei Gelegenheit von Herrn von Chambrafs 
Werk über die Malerei 1), das ihm dieser übersendet hatte, über 
das NVesen dieser Kunst ausspricht. Wenige Monate zuvor hatte 
er einen Brief an Felibien, den Verfasser der von uns öfter an- 
geführten vEntretiens sur les vies et los ouvrages des plus ex- 
cellens peintresz- geschrieben, worin er ein ziemlich strenges 
l) Es ist wohl die oben erwähnte Uebersetzung von Leoäßtffel; 
da Vincfs Traktat über die Malerei gemeint (S. 290), Wällähe? ache 
Du Fresne gleichzeitig nach zwei Handschriften in der Orißma 55m h E 
zusammen mit einer Lebensbeschreibung Leonardds, herallsäege e" a 
(Paris, bei Jaques Langlois, 1651).
        

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